Das Material, aus dem die Uhren sind
Hart, härter, Nivarox

Das Universalgenie Reinhard Straumann entwickelte ein neuartiges Material, welches selbstkompensierende Unruhspiralen härter und damit mechanische Uhren genauer machte. Eine Erfindung, die teure Kompensationsunruhn überflüssig werden ließ.

Hart, härter, Nivarox

Kluge wie kreative Lösungen die überraschen

Zu weich: Elinvar fehlt es an Härte

Bei allen technischen Vorzügen besaß der Werkstoff Elinvar einen großen Nachteil: Der Legierung fehlte es an Härte. Dadurch reduzierte sich die Unruh-Amplitude im Vergleich zu stählernen Unruhspiralen spürbar. Und dieser Sachverhalt ließ den Schweizer Ingenieur Reinhard Straumann (1892 – 1967) nicht ruhen.

Der Sohn eines Lehrers absolvierte von 1908 bis 1912 am Technikum in Le Locle ein Studium der der Uhrentechnik und Feinmechanik. Danach studierte er in Lausanne an der Ecole superieure d`Aeronautique et de construction mecanique. Seit 1916 arbeitete er als Konstrukteur bei der Uhrenfabrik Thommen und stieg dort rasch zum technischen Direktor auf. Man kann Reinhard Straumann mit Fug und Recht als Universalgenie bezeichnen. Gemeinsam mit Siemens hob er die erste Zeitwaage aus der Taufe Chronokomparator genannt.

 Die Alternative heißt Nivarox

Viel wichtiger jedoch war 1933 die Entwicklung des Werkstoffs „Nivarox“ für selbstkompensierende Unruhspiralen. Es erhielt natürlich ein Patent und wird außerdem bis heute verwendet. Dieses neuartige Material wird von der Heraeus Vacuumschmelze in Hanau (Hessen) aus Stahl und Nickel unter Beigabe von Kobalt, Beryllium, Molybdän, Wolfram sowie Titan geheimnisvoll legiert. Nivarox ist temperaturstabil (Temperaturkoeffizient 0,5 sec/°C in 24 Stunden), hochelastisch, weitgehend unmagnetisch und dazu rostfrei. Es machte die teuren Kompensationsunruhn überflüssig und bewirkte trotzdem ein stabiles Gangverhalten mechanischer Uhren. Der Name Nivarox bedeutet übrigens „nicht variabel, nicht oxidierend“. Auf der Grundlage dieses Materials rief Reinhard Straumann 1934 in St. Imier die Nivarox SA ins Leben. 1954 gründete er das Institut Dr. Ing. Reinhard Straumann und ab 1961 arbeitete der Forscher zudem als Honorarprofessor an der Technischen Hochschule Stuttgart.

Quelle: 1. Berner, G.A. : Dictionnaire Professionnel Illustré de l’Horlogerie, 1961; 2. Lavest, R. : Grundlegende Erkenntnisse der Uhrmacherei; http://www.who-is-who-dental.de/?p=220

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