Kronenaufzug

You are here:
< Back

Bis ins späte 19. Jahrhundert erfolgten Aufzug und Zeigerstellung bei Taschenuhren mit Hilfe eines kleinen Schlüssels. Beim modernen Kronenaufzug geschieht das über eine kleine Krone mit “Umschaltvorrichtung”. 

Der Kronenaufzug – von Audemars bis LeCoultre

Am 25. März 1838 präsentierte die Firma Louis Audemars, Le Brassus,  ihre erste Taschenuhr mit Kronenaufzug. Nach Betätigung eines kleinen Umschalt-Schiebers ließen sich auch die Zeiger über die Krone einstellen. In den folgenden Jahren bemühten sich die Söhne des 1833 verstorbenen Louis Audemars um Perfektionierung dieser Erfindung, die vermutlich gegen 1820 erstmals vom Engländer Thomas Prest entwickelt wurde.

Die Form des Aufzugs und der Zeigerstellung hatte es auch dem Uhrmacher Charles Antoine LeCoultre (1803-1881) angetan. Gegen 1847 stellte er seine Version des Kronenaufzugs vor. Zur Zeigerstellung musste anfangs ein rechts neben der Krone angebrachter Drückers gleichzeitig betätigt werden. Spätere Ausführungen ermöglichten das heute übliche Umschalten durch Ziehen der Krone.

Perfekte Zeigereinstellung durch Philippe

Das beste System entwickelte indes Jean Adrien Philippe. Er stützte sich auf Entwürfe aus dem Hause Breguet und des Uhrmachers Adolphe Nicole. Nach rund zwanzigjähriger Entwicklungsarbeit erhielt Philippe am 27.9.1861 ein Patent auf seinen Kronenaufzug, der auch die Herstellung besonders flacher Werke gestattete. Dieses bezog sich insbesondere auf die Erfindung eines drehbar auf der Aufzugswelle gelagerten Transmissionsrades, das über eine Wolfsverzahnung mit dem auf der Welle verschiebbaren Zeigerstelltrieb (Schiebetrieb) gekoppelt ist. Vor allem das komfortable „leere“ Rückwärtsdrehen der Krone perfektionierte den Kronenaufzug, der sich bis heute in Abermillionen von Handaufzugs- und Automatikwerken bewährt hat.

So funktioniert der Kronenaufzug

Der Kronenaufzugs besteht aus der Aufzugswelle samt mit Krone, dem  Schiebe-(Kupplungs-)trieb, dem Aufzugs-(Kupplungs-)rad, dem Kronrad, dem auf der Federwelle befestigten Sperrad sowie dem Gesperr, das sich aus Sperrkegel und Sperrkegelfeder zusammensetzt.

Hinzu kommt das Zeigerstellsystem, welches zusätzlich zu Aufzugswelle mit Krone und Schiebe-(Kupplungs-)trieb noch den Stell- oder Winkelhebel, die Stell- oder Winkelhebelfeder, den Kupplungshebel oder die Wippe sowie das Zeigerstellrad erfordert.

Dreht man die geriffelte Aufzugskrone im Uhrzeigersinn, wird über die Aufzugswelle, das außenliegende und schrägverzahnte Ende des Schiebetriebs sowie das damit verbundene Kupplungsrad der Zugfeder ein Energiepotential zugeführt.

Das senkrecht stehende Kupplungsrad greift dabei in das Kronrad, welches wiederum mit dem größeren der beiden Aufzugsräder, dem Sperrad, verbunden ist. Letzteres ist mit dem Federkern gekoppelt, an dem das innere Ende der Zugfeder befestigt ist. Das äußere Ende der Zugfeder hängt an der inneren Wandung des Federhauses. Ein Gesperr (Sperrkegel samt Sperrkegelfeder) sorgt dafür, dass sich die Zugfeder nicht mehr über das Aufzugssystem entspannen kann.

Bei gezogener Krone sorgen der Winkelhebel samt zugehöriger Feder sowie die Kupplung dafür, dass das innenliegende Ende des Schiebetriebs in das Zeigerstellrad greift. Gleichzeitig wird der Aufzugsmechanismus entkoppelt. Über die Krone lassen sich die Zeiger nun in beiden Richtungen bewegen.

Nach dem Zeigerstellen muss die Krone wieder nach unten gedrückt werden – andernfalls könnte Wasser in die Uhr eindringen.

Vor allem moderne Kaliber besitzen einen sogenannten Sekundenstopp. Bei gezogener Krone wird über einen kleinen Zusatzmechanismus die Unruh angehalten. Dadurch lässt sich die Zeit z.B. mit Hilfe eines Radiosignals sekundengenau einstellen.