Eterna-Matic und die Erfindung des Kugellagerrotors
Fünf winzige Kügelchen veränderten alles

Uhrwerke mit automatischem Aufzug gab es bei der Grenchener Marke Eterna seit 1939. Doch erst die Erfindung des patentierten Kugellagerrotor brachte weltweite Beachtung und mit dem Modell Eterna-Matic einen steilen Anstieg der Umsätze.

Fünf winzige Kügelchen veränderten alles

Die Eterna-Matic mit dem neuentwickelten Kugellagerrotor brachte Eterna viel Anerkennung und noch mehr Umsatz.

Automatisch zum Erfolg

1942 brachte Eterna ein 9½-liniges Automatikwerk auf den Markt, das sich eigentlich auch für die Verwendung in Damenuhren eignen sollte. Der Aufzug erfolgte durch eine Pendelschwungmasse. Das war jedoch eine Lösung, die selbst die Konstrukteure des Werks nicht wirklich zufriedenstellte.
Die daraufhin einsetzenden Überlegungen hatten jedoch weniger die Optimierung des bereits vorhandenen Herren‑Kalibers zum Gegenstand. Dieses arbeitete für damaliges Niveau in der vorhandenen Größe einwandfrei. Es war ein Problem vieler alter Uhren, denn die prinzip-bedingten Schwierigkeiten traten erst bei der Transformation des Uhrwerks auf. Konkret gesagt bei der Reduktion des Werks auf die kleinere Damengröße.

Der Grund war schnell ausgemacht: Der Wirkungsgrad nimmt nun mal mit der Reduzierung der Dimension ab. Genauer gesagt lässt sich die unvermeidlichen Reibungs‑ und Energie-Verluste rein physikalisch nicht im gleichen Maße reduzieren, wie dass die Energiegewinnung durch die Pendelschwungmasse abnimmt.
Deshalb musste ein Damen‑Kaliber, das zwar identisch konstruiert war wie ein gut funktionierende Herren-Werk, fast zwangsläufig Probleme mit sich bringen. Es galt, das ganze System des automatischen Aufzugs unter Verwendung neuer Technologien so neu zu konstruieren, dass es auch für kleinere Armbanduhren uneingeschränkt geeignet wäre.

Diese Innovation von Eterna änderte den Uhrenbau: Der neuentwickelte Kugelrotor-Automatikaufzug der Eterna-Matic

Der neuentwickelte Kugelrotor-Automatikaufzug der Eterna-Matic war eine uhrmacherische Sensation und löste viele Probleme

Eine neue Entwicklung

Mehrere Jahre arbeiteten die Eterna-Uhrmacher unter der Leitung von Heinrich Stamm an der Lösung dieser schwierigen Aufgabe. Dabei hatten die Entwickler im Jahr 1948, wie bei alten Armbanduhren nicht untypisch, folgende Probleme zu lösen:

  1. Vergrößerung des Wirkungsgrades der Schwungmasse durch
    ‑ Ausnützung beider Drehrichtungen
    ‑ Wegfall der Federpuffer
    ‑ Reduzierung der verlorenen Wege
    ‑ ein günstiges Übersetzungsverhältnis des Aufzugs‑Räderwerks;
  1. Reduktion der systembedingten Verluste durch
    ‑ Verminderung der Zapfenreibung im Schwungmassenlager
    ‑ Ersatz der unter Federdruck stehenden Schaltklinke
  2. Reduktion der Störungsanfälligkeit durch
    ‑ den Ersatz der feinen Klinkenrad‑Teilung durch eine gröbere Verzahnung
    ‑ die Unterbindung einer raschen Abnützung
    ‑ die ausschließliche Verwendung rotierender Teile
  1. Steigerung der Servicefreundlichkeit durch einen modularen Aufbau des WerksHeinrich Stamm, der maßgebliche Entwickler des Kugellagerrotors

Die Innovation

Also das Werk entwickelt war, war die Wirkung enorm. Die Lancierung der 9 3/4-linigen Eterna‑Matic-Kaliber 1198 und 1199 (Höhe 5,35 mm) fand 1949 in der Fachpresse und bei den Kunden eine überwältigende Resonanz. Das patentierte Werk besaß erstmals einen Kugellager-Rotor. Jede der fünf Kugeln hatte einen Durchmesser von 0,65 mm. Tausend davon wogen weniger als ein Gramm; und jede einzelne schwamm wegen ihres geringen Gewichts auf dem Wasser. Der Gleichrichtung der Rotorbewegungen diente ein neu entwickeltes Klinkenrad‑System. Außerdem wurden die Handaufzugsorgane während des automatischen Aufzugs ausgeschaltet, um dadurch bedingte Verluste zu vermeiden.
Die Gangreserve von mehr als 40 Stunden konnten infolge des hohen Wirkungsgrades auch erstmals bewegungsarme Menschen im Laufe eines Tages aufbauen. Ein Jahr später gab es ein nach ähnlichen Prinzipien konstruiertes Werk. Es hatte einen Durchmesser von 11½ Linien und eine Höhe von 5,9 mm. Die Kaliberbezeichnung – 1256.

Das abgebildete Kaliber 1249 T mit direkter Zentralsekunde besitzt einen Durchmesser von 13 Linien und stammt aus dem Jahr 1950.

Uhrenkosmos Modell-Steckbrief 

HerstellerEterna, Grenchen
NameEterna-Matic
Referenz
Premiere1950
UhrwerkEterna 1249 T
Aufzugbeidseitiger Kugellagerrotor
Durchmesser29,33 mm
Bauhöhe 5,9 mm
Steine17
Wasserdichtigkeitnicht wasserdicht
Gangautonomie40 Stunden
AnzeigeStunden, Minuten, Sekunden
Zusatzfunktionenkeine
Gehäuse18 Kt. Gold,
Durchmesser34 Millimeter
Zifferblattversilbertes Metall, aufgesetzte goldfarbene Stundenziffern
Uhrglasgewölbtes Plexiglas
Armbandschwarzes Kalbsleder

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