Einheitsuhr: 4 Armbanduhr-Modelle von Mühle-Glashütte und MeisterSinger zu Ehren der Deutschen Einheit

Am 3. Oktober 2020 feiert Deutschland den 30. Jahrestag seiner Wiedervereinigung. Grund genug für MeisterSinger Münster und Mühle-Glashütte, dieses überwiegend positiv beurteilte Ereignis durch 4 im Gleichtakt tickende Armbanduhr-Modelle einer Einheitsuhr zu würdigen. Verschiedene optische und technische Merkmale, die Limitierung, der Preis sowie ein Einheitsrotor bringen das gemeinschaftliche Handeln der Partner zum Ausdruck.

Einheitsuhr: 4 Armbanduhr-Modelle von Mühle-Glashütte und MeisterSinger zu Ehren der Deutschen Einheit

Thilo Mühle und Manfred Brassler, Armbanduhren 30 Jahre Deutsche Einheit 2020

30 Jahre Deutsche Einheit

Wie beinahe alles im Leben kann man auch den Anlass für die Einheitsuhr von Mühle-Glashütte und MeisterSinger, die Wiedervereinigung Deutschlands vor 30 Jahren am 3. Oktober 1990, recht unterschiedlich beurteilen. Die meisten Menschen bewerten den Mauerfall im Jahr 1989 und das daran knüpfende politische Prozedere vorteilhaft. Kritiker bleiben in der Minderheit.

Für Mühle-Glashütte war der 3. Oktober ein entscheidendes Datum, denn ohne die umwälzenden Geschehnisse in Osten der Republik würde es die Glashütter Uhrenmanufaktur in der aktuellen Ausprägung definitiv nicht geben.

Mühle-Glashütte

Ihre Geschichte beginnt 1869 mit R. Mühle & Sohn. Anfangs produzierte die von Robert Mühle gegründete Firma feinmechanische Präzisionsmessgeräte für die heimische Uhrenindustrie und die Uhrmacherschule her. In den frühen 1920-er Jahren fand eine Spezialisierung auf Tachometer, Autouhren, Drehzahlmesser und Messgeräten für die Autoindustrie statt. Im Betrieb entstanden  so auch Bordinstrumente für Horch- und Maybach-Fahrzeuge. Einen herben Rückschlag brachten die Enteignung und Demontage des Betriebs durch die sowjetische Besatzungsmacht im Jahr 1945. Unter dem Namen Messtechnik Glashütte gelangten Teile zu den Zeiss-Werken in Jena.

Eine neue, von Enkel Hans Mühle, gegründete Firma produzierte fortan Messinstrumente sowie messtechnische Geräte für die Foto- und Kinoindustrie. Später machte sich das Unternehmen einen Namen als alleiniger Hersteller von Zeigerwerken für die Druck- und Temperaturmessindustrie in der DDR. Auf diese Weise wuchs es innerhalb von zehn Jahren von anfangs drei auf 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1970 übernahm Hans-Jürgen Mühle die Verantwortung für das Unternehmen.  Schon zwei Jahre später musste er die Enteignung und Umwandlung in den volkseigenen Betrieb VEB Feinmechanik Glashütte verkraften. 1980 erfolgte die komplette Eingliederung in die VEB Glashütter Uhrenbetriebe (GUB). Nach Aufgaben in der Vertriebsabteilung übernahm Hans-Jürgen Mühle schließlich die Leitung des Betriebs. Nach der Wende sollte der Volkseigene Betrieb in eine GmbH umgewandelt werden. Zu diesem Zweck wurden Hans-Jürgen Mühle und vier Kollegen zu Geschäftsführern ernannt. 1992, nach Erfüllung dieser Aufgabe endete die Tätigkeit bei GUB. Zwei Jahre später jedoch, im Jahr 1994, übernahm Hans-Jürgen Mühle den Familienbetrieb aufs Neue. Die neue Mühle-Glashütte GmbH fertigte elektronische Bordchronometer und Schiffsuhrenanlagen. Im Jahr 1996 wiederum ging die erste Armbanduhr mit der Signatur Mühle an den Start.

Der Erfolg spricht für sich, denn dieses Geschäftsfeld bestimmt wirtschaftlich inzwischen die von Thilo Mühle geleiteten Uhrenmarke, welche Zeitmesser mit eigenen und zugekauften Uhrwerken offeriert.

MeisterSinger Münster

Exakt 130 Jahre nach Robert Mühle realisierte Manfred Brassler in Münster seine ausgeprägte Vision von beruflicher Selbständigkeit. Das von ihm gewählte Label trug und trägt den Namen MeisterSinger. In seinem Erstlingswerk, der 2001 lancierten und logischer Weise Nr. 01 benannten Armbanduhr tickte das Handaufzugskaliber Eta 2801-2. Die größere Nr. 02 gelangte mit Glasboden und dem Eta/Unitas 6498 auf den Markt. Ins Automatik-Zeitalter startete die Marke mit dem robusten Eta 2824-A2. Nr. 03 hieß der damit ausgestattete Zeitmesser.

MeisterSinger 01 2

Das Erstlingswerk von Manfred Brassler: MeisterSinger 01

Bei aller Unterschiedlichkeit der verbauten Mechanik eint dieses Uhren-Trio die heutzutage außergewöhnliche, historisch betrachtet aber eher normale Zeitanzeige. Über dem Zifferblatt bewegt sich nämlich nur ein einziger Zeiger. Und zwar derjenige für die Stunden. Bei der Gestaltung des passenden Zifferblatts orientierte sich der Firmengründer an sehr frühen Räderuhren ab dem späten 13. Jahrhundert sowie der 1798 vorgestellten Montre Souscription von Abraham-Louis Breguet. Alle ausgestattet mit nur einem Stundenzeiger. Wer meint, dass diese reduzierte Ausstattung dem Alltagsleben nicht gerecht werde, irrt gewaltig. Nach kurzer Gewöhnungsphase gibt es keinerlei Probleme mehr. Erheblich dazu trägt die Zifferblatt-Skalierung mit klar voneinander unterscheidbarer Indexierung bei. Der Kreativität von Manfred Brassler sind auch die Einer-Stundenziffern mit vorangestellter 0 und der keilförmige, mit hohem Wiedererkennungswert ausgestattete Nadelzeiger zu verdanken. Ein erster red dot award würdigte diese Leistung im Jahr 2004. Weitere Bestätigungen für das schöpferische Tun liefern treue Kunden rund um den Globus.

Bleibt der Name. Einer der Zeitgenossen des Nürnberger Uhrmachers Peter Henlein, dem gelegentlich die erste Taschenuhr zugeschrieben wird, war Hans Sachs. Dem Schuster sagt man nach, nicht nur aktives Zunftmitglied der Meistersinger gewesen zu sein, sondern auch Bester unter allen. Übrigens besitzt MeisterSinger seit dem 1. Januar 2019 eine neue Management- und Inhaberstruktur. Der langjährig für das Unternehmen tätige John van Steen avancierte am 1. Januar zum geschäftsführenden Gesellschafter. 

Einheitsuhr

MeisterSinger No3 und Mühle Teutonia IV 30 Jahre Einheit Bicolor Stahl

Einheitsuhr mit gemeinsamem Werk

Die einerseits unterschiedliche Philosophie beider Familienunternehmen, das andererseits aber gleiche Preissegment der Produkte sowie das im Osten und Westen der Republik gleichermaßen verwendete Kaliber Sellita SW 200-1 führten zur eine Kooperation mit Blick auf die deutsche Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990. Das deutsch-deutsche Uhrenset ist ab sofort bei den Konzessionären beider Marken erhältlich.

Mühle-Glashütte steuert dazu die Teutonia IV mit 41 Millimetern Gehäusedurchmesser bei. MeisterSinger wiederum würdigt 30 Jahre Deutsche Einheit mit einer Sonder-Edition des Modells 03. Das vorübergehende Miteinander aus besonderem Anlass zeigen abgestimmte Gestaltungsmerkmale, welche vor allem die Zifferblätter mit den farblichen Aspekten Schwarz, Rot und Gold unübersehbar zum Ausdruck bringen. Absolut gleich ist der Rotor, welche die Zugfeder des Schweizer Automatikwerks Sellita SW 200 mit ca. 38 Stunden Gangautonomie in beiden Drehrichtungen spannt. Er zeigt die Standorte von MeisterSinger im Westen und Mühle-Glashütte im Osten Deutschlands.

Die Ausführungen der Mühle-Glashütte Teutonia IV und MeisterSinger Nr. 3 gibt es jeweils in einer Sonderedition von 60 Exemplaren. 

Die Mühle-Glashütte Teutonia IV aus dem abgeschiedenen Müglitztal besitzt 41 Millimeter Durchmesser. Ihre Schraubkronen-Schale mit kratzfestem Saphirglas widersteht dem nassen Element bis zu zehn bar. Durch den Sichtboden zeigt sich auch die spezielle Spechthals-Feinregulierung für den Rücker.

43 Millimeter misst dagegen die aus der westfälischen Universitätsstadt Münster stammende MeisterSinger Nr. 03. Bei ihr reicht die Wasserdichte bis zu fünf bar Druck, was 50 Metern Wassertiefe entspricht. Für sicheren und komfortablen Halt am Handgelenk sorgt ein Nappalederband mit stählerner Dornschließe.

Beide Modelle kosten jeweils 1.990 Euro.

Einheitsuhr in Bicolor

Edler und dank einer Auflage von jeweils nur 30 Stück treten die Bicolor-Versionen der Armbanduhren von Mühle Glashütte und MeisterSinger in Erscheinung. Bei ihnen besteht der Glasrand aus 18-karätigem Gold. Darüber hinaus sind sie mit einem Armband aus Krokoleder und einer Doppelfaltschließe ausgestattet.  

Diese Armbanduhren sind für jeweils 3.490 Euro im Set mit dem Modell des Partners aus dem anderen Teil Deutschlands erhältlich.

Aus dem Verkaufserlös jeder dieser Armbanduhren fließen 100 Euro an die Heinz-Sielmann-Stiftung, welche sich um den Erhalt eines ehemaligen Grenzabschnitts zwischen Ost- und Westdeutschland kümmert. Ein erfreulicher Beitrag der Einheitsuhr zum Zusammenwachsen von Ost und West. 

Wie bewegt die Geschichte von Mühle-Glashütte nach dem zweiten Weltkrieg, in der DDR wie in den Zeiten nach der Wende war, schildern auch Hans-Jürgen Mühle und Thilo Mühle auf sehr eindringliche und persönliche Weise, wenn sie aus der Geschichte ihrer Familie und des Unternehmens erzählen. 

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Über den Autor

Gisbert L. Brunner

Uhrensammler seit 1964 Journalistische Tätigkeit in Sachen Uhren seit 1981 Autor und Co-Autor von mehr als 30 Büchern über Armbanduhren und namhafte Uhrenmarken

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