Leonatto Cappello und seine Werbung für Omega aus dem Jahr 1914
Im Dienste Omegas und der präzisen Zeitmessung

Omega hatte bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Bedeutung der Werbung erkannt und mit Leonetto Cappiello einen Star der Gestalter engagiert. Der Wirkung dieses Vintage-Plakats kann man sich auch heute nicht entziehen. Aber wer war dieser Cappiello?

Im Dienste Omegas und der präzisen Zeitmessung

Dieses Inserat gestaltete Leonetto Capiello für Omega unter dem Motto „Genie der genauen Zeit“

In jenem Jahr 1914, als die abgebildete Anzeige der Bieler Uhren-Manufaktur Omega erschien, geriet wie auch immer die Reklame per se in den Blickpunkt der Wissenschaft. Vorreiter waren einmal mehr die USA. Dort publizierten Harry Tipper, Harry L. Hollingworth u. a. die Studie „Reklame, ihre Prinzipien und ihre Anwendung.“ Sie kann als eine der ersten sozialwissenschaftlich orientierten Analysen über werbliche Methoden und Wirkungsweisen gelten. In Deutschland gab es ab 1914 eine „Freie Vereinigung für Reklame-Kunst und Wissenschaft“, welche die Reklame in ihren Grundzügen erforschen und die Ergebnisse der Allgemeinheit zuführen wollte. „Die erste Regel der heutigen Reklame ist einmal unbedingte Wahrhaftigkeit und sodann Geschmack und Schönheit. Sie soll dazu beitragen, zunächst die richtige Erkenntnis zu verbreiten, sie soll aber auch durch künstlerische Gestaltung unser Leben verklären. (Denn) auch in der Reklame soll das starke ästhetische Bedürfnis unserer Zeit Anregung erfahren.“

Dieser Geist kommt in diesem Omega-Inserat besonders gut zum Tragen. Es gestaltete der italienisch-französische Künstler Leonetto Cappiello unter dem Motto „Genie der genauen Zeit“. Lachend, luftig, flammend, jugendlich und dynamisch waren seine Leitgedanken zum Thema – und fanden ihre Umsetzung in seinem wunderschönen Anzeigenmotiv.

Ein Italiener in Paris

Leonetto Cappiello war am 9. April 1875 im italienischen Livorno zur Welt gekommen und übersiedelte 1898 nach Paris. 1892 war eines seiner ersten Gemälde bereits im Stadtmuseum von Florenz zu sehen. Seine beachtliche Karriere begann Cappiello, der keine einschlägige Ausbildung genossen hatte, als Karikaturist. Seine Illustrationen waren in angesehenen Zeitschriften wie Le Cri de Paris, Le Sourire, L’Assiette au Beurre, La Baionnette, Femina zu finden. 1896 publizierte er überdies sein erstes Karikaturen-Album.

Mit den Jahren widmete er sich jedoch mehr und mehr der Gestaltung von attraktiven wie innovativen Werbeplakaten, von denen er eine Vielzahl erschuf. Nicht umsonst wurde ihm verschiedentlich der Beinamen „Vater der modernen Werbung“ verliehen. So verwendete er als erster Grafikdesigner frische, mitunter kecke Figuren vor markanten Hintergründen. Das ist auch bei der jungen Dame der Fall, welche eine – natürlich präzise – Omega-Taschenuhr präsentiert. Als mit Beginn des 20. Jahrhunderts Plakate und Poster die Werbung dominierten, schlug auch die große Stunde des Leonette Cappiello. Zwischen 1901 and 1914 schuf er einige hundert Werke, welche die Plakatgestaltung nachhaltig beeinflussten, um nicht zu sagen revolutionierten. In Summ umfasst sein Lebenswerk sogar mehr als 530 Poster. Neben Omega zählte er auch weitere wichtige Kunden wie Cinzano, Campari oder Suchard zu seinen Kunden und erschuf für sie Meilensteine der grafischen Werbung.

Omega und der Erfolg

Omega konnte sich jedoch einen derartigen Star der Werbung leisten. Die Uhren-Manufaktur beschäftige 1914 erstmals mehr als 1.000 Mitarbeiter. Dazu gesellte sich eine stattliche Zahl an Heimarbeitern. In diesem Sinne gehörte das Unternehmen damals schon zu den ganz Großen der Branche. Während der Schweizerischen Landesausstellung 1914 in Bern, präsentierte sich Omega in voller Blüte. Zu den Attraktionen gehörte eine durchbrochene Riesenuhr, die tiefe Einblicke ins tickende Uhrwerk erlaubte. Außerdem verbreitete der Spezialist für Präzisions-Zeitmessung das Signal der „Heure radiotélégraphique de Paris“ per Lautsprecher im ganzen Ausstellungsgebäude. Auch so konnte man auf sich und seine Produkte aufmerksam machen Produkte aufmerksam machen. 

Was im Jahr 1914 sonst noch geschah

 Franz Ferdinand, Erzherzog von Österreich, und seine Gattin Sophie kommen in Sarajewo durch ein Attentat ums Leben;

Nach 21 Jahren in Südafrika kehrt Mahatma Gandhi in seine Heimat Indien zurück.

Ausbruch des Ersten Weltkriegs;

Höhenflug-Rekord bei 8.150 m;

erstmalig Sommerzeit in England;

Eröffnung des von den USA erbauten Panama-Kanals;

England entwickelt einen Panzer-Kampfwagen unter dem euphemisierenden Tarnnamen Tank;

der Friedensnobelpreis wird nicht verliehen;

für schweizerische Fabrikarbeiter wird die 59-Stunden-Woche festgeschrieben

Auch wenn die Uhrenindustrie in der Werbung die Schönheit anpries, veränderte der I. Weltkrieg vieles. Die Uhrenindustrie reagierte auf den Kriegsausbruch durch die Entwicklung neuer, spezifischer Modelle. Es gab Uhren mit Schutzgitter für das Glas, mit Sprungdeckel, mit 24-Stunden-Zifferblatt oder mit markanten Leuchtzifferblättern und-zeigern. Alles Modelle für den Einsatz im Krieg.

Die Zeitschrift „Femina“ befragt ihre Leserinnen über die Bedeutung der Armbanduhr. 4350 eingegangene Antworten werden ausgewertet. Davon lauten 3437 auf „unbedingt günstig“ für die Armbanduhr, 480 Leserinnen zeigen sich noch unschlüssig und nur 433 bevorzugen noch die Hängeuhr.

Mehr als die Hälfte der Junghans-Belegschaft eilt zu den Waffen. Aufnahme kriegsbedingter Produktion.

Eterna stellt den ersten Armbandwecker vor.

Ariste Racine gründet die Uhrenmarke Enicar.

In den USA ruft Robert Ingersoll die gleichnamige Uhrenmarke ins Leben.

Nach 45-tägigem Check vergab die Sternwarte in Kew, England, erstmals ein Zertifikat der Klasse „A“ für eine Armbanduhr. Weil es noch kein Reglement für derart kleine Uhrwerke gab, musste sich die Rolex mit deutlich größeren Marine-Chronometern messen.

Breitling präsentiert seinen ersten Armbandchronographen.

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