Tiefe Täler, dunkle Tannen, feine Technik - hier kommen feine Uhren her
Ein Spitzenprodukt aus dem Schwarzwald – der Junghans Chronometer

Verglichen mit der Schweiz ist die deutsche Produktion offiziell geprüfter Armband-Chronometer eher bescheiden. In den besten Zeiten lag die Relation ungefähr bei zehn zu eins. Was ja nichts bedeuten muss, wie dieser schöne Chronometer des größten deutschen Herstellers Junghans zeigt

Ein Spitzenprodukt aus dem Schwarzwald – der Junghans Chronometer

Das damalige Spitzenprodukt der Junghans Armbanduhren-Produktion

Ob sich die Brüder Junghans bei der Gründung ihres Unternehmens im Jahre 1861 bereits mit dem Gedanken trugen, komplette Uhren zu produzieren, vermag heute niemand mehr mit Sicherheit zu sagen. Nachdem Franz Xaver Junghans in den USA die nötigen Maschinen und Werkzeuge gekauft hatte und die Lieferung endlich in Schramberg eingetroffen war, begann die Herstellung von Uhrenteilen auf „amerikanische“, also arbeitsteilige Art. Die rationell aber dennoch passgenau gefertigten Uhrenteile erfreuten sich bald schon großer Beliebtheit bei den Heimuhrmachern des hohen Schwarzwaldes. 1866 präsentierte Erhard Junghans der königlichen Zentralstelle für Gewerbe und Handel in Stuttgart drei komplette Uhren als Muster einer Großuhren-Produktion amerikanischer Art mit rationell gefertigten Ganzmetallwerken. Und damit begann der allmähliche Aufstieg zu einem Weltunternehmen. Bis bei Junghans die ersten Armbanduhren auf Band gelegt wurden, gingen freilich weitere sechs Jahrzehnte ins Land. Und das offenkundige Bekenntnis zur Präzision erforderte anschließend nochmals zwanzig Jahre.

1952 startete Junghans die Fertigung besonders präziser Armbanduhren, die mit einem Zertifikat der Uhrenprüfstelle des Landesgewerbeamtes Baden‑Württemberg in den Handel gelangten. Hinter den legendären Junghans Chronometern steckte die ursprüngliche Absicht, zusammen mit der Pforzheimer und der Glashütter Uhrenindustrie eine gleichermaßen genaue und robuste Wehrmachtsuhr zu bauen. Nachdem das Ende des Zweiten Weltkriegs diese Bestrebungen überflüssig gemacht hatte, machte sich der Junghans-Konstrukteur A. Letsche an die Entwicklung des Kalibers J 82, welches ab 1952 in den ersten Junghans Chronometern tickte.

Der Weg zur Qualität

Beim neu entwickelten Chronometer handelte es sich um ein 12 ½liniges Handaufzugswerk mit 16 Steinen, Junghans-eigener Stoßsicherung und kleiner Sekunde. Die Evolution dieses Kalibers vollzog sich in kleinen Schritten, welche durch einen Schrägstrich und eine Zusatzziffer dokumentiert wurde. Auf das Kaliber J 82 folgten die Versionen J 82/1 bis J 82/3 mit indirekter Zentralsekunde und 17 Steinen. Diese Ausführungen besaßen bereits eine Sekundenstopp-Vorrichtung zum sekundengenauen Einstellung der Uhr. Gemeinsames Merkmal aller J 82-Kaliber bildete die besonders große Schraubenunruh, deren hohes Trägheitsmoment die Basis für die geforderte Präzision darstellte. Um die Bauhöhe niedrig halten zu können, verzichtete Junghans bei diesen Kalibern ganz bewusst auf die Verwendung von Breguetspiralen. Dies tat den Gangresultaten ganz offensichtlich keinen Abbruch.

Allein 1954 produzierte Junghans neben 60.000 normalen Armbanduhren stattliche 7.000 Chronometer aus der Kaliberfamilie J 82. Eine stattliche Zahl. In den Jahren 1955/56 stellte Junghans dann die Chronometer-Fertigung auf das 11linige Kaliber J 85 um. Dessen 17steiniges Werk verfügte über eine direkte Zentralsekunde. Dadurch konnte die Bauhöhe beträchtlich reduziert werden. Da zu diesem Zeitpunkt bereits elektronische Unruh-Wuchtmaschinen existierten, erübrigten sich die vergleichsweise komplizierten Schraubenunruhn. Die Ringunruh des Kalibers J 85 besaß jedoch auf jedem Schenkel zwei senkrechte Gewichtsschrauben zum Nachregulieren, die erst beim Evolutionskaliber J 85/10 sowie beim späteren J 685 wegfielen. 1956 verließen rund 10.000 Armbandchronometer das Haus Junghans. Damit rangierte die Marke hinter Rolex und Omega auf Platz 3 in der Fertigung offiziell geprüfter Zeitmesser fürs Handgelenk.
Eine beachtliche Leistung und Ausdruck der Blüte der Marke Junghans in diesen Jahren.

 

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