Mit modularer Addition zum Ziel - der Movado Chronograph
Ein kluger Anbau von Movado

Bei Chronographen-Armbanduhren unterscheidet man zwei grundsätzliche Konstruktionsformen: die integrierte und die additive. Letztere wird ofth als Modul-Bauweise bezeichnet. Von Movado stammt einer der ersten Modul-Chronographen, wenn nicht sogar das erste Modell dieser Art

Ein kluger Anbau von Movado

Das klar gestaltete Zifferblatt des Chronographen von Movado

Korrekt aus dem Griechischen übersetzt, bedeutet „Chronograph“ nichts anderes als “Zeitschreiber”. Dagegen müssten die heute landläufig mit diesem Terminus kategorisierten Uhren eigentlich „Chronoskop“ heißen. Bei ihnen handelt es sich nämlich um Instrumente, die einen bestimmbaren Zeitabschnitt anzeigen, ihn jedoch nicht aufschreiben. Während der Franzose Rieussec 1821 einen echten Chronographen zum Patent anmeldete, der Zeitintervalle in Form von Strichen und Punkten aufs Papier bannte, erhielt der eidgenössische Uhrmacher Adolphe Nicole 1844 sein Patent für einen wichtigen Bestandteil eines Chronoskops. Es ging um eine herzförmige Scheibe, mit deren Hilfe sich der Chronographen sowie die eventuell vorhandenen Zählzeiger aus jeder beliebigen Position in ihre Ausgangsstellung zurückdrücken lassen. Diese kreative Erfindung führte 1862 zur ersten, uneingeschränkt verwendbaren Taschenuhr mit “Chronograph”. Die endgültige Form dieses komplizierten “Zeitschreibers” mit dem werksseitig über den Brücken und Kloben angeordneten Zusatzmechanismus ist auf Auguste Baud zurückzuführen. Sie fand 1880 ihre handwerkliche Realisation. Somit war der allseits bekannte “Chronograph“ geboren.

Addition ist die Lösung

In den kommenden 50 Jahren fanden in Taschen- und Armbanduhren nur Kaliber Verwendung, bei denen Uhrwerk und Chronographen-Mechanismus eine konstruktive Einheit bildeten. Die Bestandteile des spezifischen Schaltwerks wurden einzeln mit dem Uhrwerk verschraubt. Reparaturen oder allfällige Reinigungsarbeiten erforderten jedoch zumeist eine komplette Demontage des gesamten Werks. Solch integriertkonstruierte Uhrwerke verwendete auch Movado ab etwa 1910 in seinen Chronographen. Meist stammten sie aus fremder Produktion. Diese Modelle besaßen den üblichen 30-Minuten-Zähler und einen in die Krone eingelassenen Drücker.

Damit wollte sich die engagierte Manufaktur aber nicht zufrieden geben. Ihr schwebte ein eigenes Chronographen-Kaliber vor. Die kreativen Movado-Techniker wollten jedoch alte Zöpfe abzuschneiden und so beschritten sie konstruktives Neuland. Sie griffen in die prall gefüllte hauseigene Kaliberkiste und zogen ein bewährtes Handaufzugswerk hervor. Dafür entwickelten sie ein nach klassischen Gesichtspunkten gestaltetes Chronographen-Modul mit Schaltrad, welches sich unproblematisch auf der Rückseite des Werks montieren ließ. Am Uhrwerk selbst mussten nur geringe Modifikationen vorgenommen werden. Das neue Modul-Kaliber 90 M mit außergewöhnlichem 60-Minuten-Zähler feierte 1939 seine öffentliche, vielbeachtete Premiere. Alsbald schon gesellte sich das Kaliber 95 M hinzu, bei dem ein 12-Stunden-Zähler den Gebrauchswert beträchtlich erhöhte. Als weitere Variante präsentierte Movado das kleinere, 10 ½linige Kaliber 478 ohne Zählzeiger.Bei allen Ausführungen kann die Chronographen-Platine zu Servicezwecken mit wenigen Handgriffen vom eigentlichen Uhrwerk getrennt werden. Die Verbindung zwischen dem kraftspendenden Gehwerk und dem funktionalen Zusatzwerk erfolgt dann durch Friktion.

In den dreißiger bis fünfziger Jahren stattete Movado seine zeitschreibenden Flaggschiffe grundsätzlich mit diesen modularen Chronographen-Kalibern aus. Es gab höchst unterschiedliche Gehäuseformen und -materialien. Das abgebildete Modell mit 18karätigem Goldgehäuse besitzt keine Zählzeiger sondern nur eine permanent mitlaufende Sekunde bei der “6″.

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