Die Handaufzugsuhr von Moeris aus Saint-Imier
Die unbekannte Vintage-Schönheit

Die Uhrenmarke von Fritz Moeri sind trotz eines kurzen James-Bond-Intermezzo in Deutschland relativ unbekannt geblieben. Dieses alte Uhrenmodell mit Drehlünette stammt aus den späten 30-er Jahren und ist es wert, näher in Augenschein genommen zu werden..

Die unbekannte Vintage-Schönheit

Das Zifferblatt der Moeris Armbanduhr hat charakteristisch große Leuchtziffern. In Verbindung mit den markanten Leuchtzeigern lässt es sich auch im Dunkeln gut ablesen

Im Jahr 1893 öffnete in Chicago die große Weltausstellung ihre Tore. Auf 278 ha Ausstellungsfläche zeigten die Nationen der Welt ihre Produkte. Natürlich war auch die Uhrenindustrie vertreten. Jedoch wurde den Schweizer Produzenten erneut vor Augen geführt, dass sie hinsichtlich einer präzisen maschinellen Produktion immer noch gegenüber den amerikanischen Konkurrenten zurücklagen. Seit dem Schock von Philadelphia, den die dortige Weltausstellung 1876 ausgelöst hatte, war er ihr jedoch gelungen, den Abstand erheblich zu verringern. „Austauschbarkeit der Teile“ hieß die Zauberformel. Gemeint war damit, dass im Reparaturfall serienmäßig gefertigte Ersatzteile ohne spezielle Anpassungsarbeiten verwendet werden konnten, was seinerzeit beileibe noch keine Selbstverständlichkeit war.

„Interchangeabilité absolue“ hatten sich auch die Herren Moeris und Jeanneret zum Ziel gesetzt, als sie 1893 in Saint‑Imier eine Uhrenmanufaktur gründeten. Sie wollten preiswerte Uhren guter Qualität aus eigenen Rohwerken fertigen, die sich leicht reparieren lassen sollten. Die Zeiten waren freilich alles andere als leicht, weil sich die Rohwerkefabrikanten bei den Ebauches‑Tarifen gegenseitig ständig unterboten. Alle übergeordneten Versuche, den anarchischen Markt durch entsprechende Kartelle zu regulieren, scheiterten kläglich.

Trotzdem arbeitete die „Fabrique des Montres Moeris“ erfolgreich. Bis zum Jahre 1927 wurden rund 4 Millionen Taschen‑ und Armbanduhren fertiggestellt. Als Spezialität lieferte Moeris Armband‑Stoppuhren für Ärzte und Krankenschwestern, die mit einer Pulsmesser‑Skala versehen waren. Für die präzisen Fertigungsmethoden und die Servicefreundlichkeit der Kaliber erhielt das Unternehmen sogar einen Grand Prix.

Mit der Lizenz zum Uhrenherstellen

Bei der Weltausstellung 1929 in Barcelona zeigte die Manufaktur eine breitgefächerte Kollektion von Damen‑ und Herrenarmbanduhren sowie Taschenuhren. Besonders auffällig waren einige Damen‑ und Herrenmodelle fürs Handgelenk, welche Gehäuse in der Form von Hufeisen oder Steigbügeln besaßen. In den dreißiger Jahren wurden außerdem runde Kaliber, ovale und tonneauförmige Handaufzugskaliber in unterschiedlichen Größen von fünf bis 19 Linien produziert.

1966 wartete Moeris dann mit einer besonderen „James Bond 007″‑Armbanduhr auf, die auch heute noch bei James Bond Sammlern heissbegehrt ist. Ähnlich im Aussehen was dann das 1968 lancierte Modell „Teletimer“. Es ist ausgesprochen breit und erinnert in seiner Form und seinem Zifferblatt nicht unerheblich an einen Fernsehapparat. Was aber zu damaligen Zeiten sicher ausgesprochen trendig war.

Die abgebildete Armbanduhr wurde in den späten 30er Jahren hergestellt. Vermutlich war bei ihrer Gestaltung auch an eine mögliche militärische Nutzung gedacht worden. Dafür sprechen jedenfalls das schwarze Zifferblatt mit den großen Leuchtziffern und die drehbare Merk‑Lünette mit einer Teilung in 60 Minuten oder Sekunden.

 

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