Haas Neveux & Cie. - eine fast vergessene Luxus-Uhrenmarke
Über diese Uhrenmarke ist die Zeit hinweg gegangen

Wie schnell Marken kommen und gehen, zeigt die Schweizer Luxus-Uhrenmarke Haas Neveux & Cie. Nach einem schnellen Aufstieg verschwand die Marke Ende der 30-er Jahre. Zum Glück sind einige wunderschöne Uhren erhalten.

Über diese Uhrenmarke ist die Zeit hinweg gegangen

Haas Neveux Cie mit Sitz am Quai de Montblanc 5 war eine allererste Adresse

Ein erfolgreicher Start

Im denkwürdigen Jahr 1848, als sich die Schweiz zum Bundesstaat wandelte, eröffneten Benjamin und Léopold Haas ein Atelier für hochwertige Uhren. Die beiden waren jung, geboren in den Jahren 1827 und 1828, und unternehmungslustig. In kurzer Zeit eröffneten sie ihr gemeinsames Unternehmen mit Standorten in Genf, Besançon und Paris. Der Name war passend: B. Haas Jeune (Junior).
Die beiden arbeiteten hart und nachhaltig und während der Pariser Weltausstellung des Jahres 1867, konnte das Unternehmen für besondere Leistungen rund um die Uhr eine Bronzemedaille entgegennehmen. 1873 erfolgte eine weitere Ehrung in Wien. Soweit sich die Dinge heute noch nachvollziehen lassen, bezogen sich diese Auszeichnungen auf einen patentierten Aufzugsmechanismus. Dieser spannt die Zugfeder beim Öffnen des vorderen Deckels einer Savonnette-Taschenuhr. Wenige Jahre später gab es eine Silbermedaille bei der Pariser Weltausstellung des Jahres 1878. Man war also sehr erfolgreich unterwegs.

Damals umfasste die Produktpalette u.a. Taschenuhren mit Chronograph, Repetitionsschlagwerk oder Kalendarium. Ein besonderes, speziell konstruiertes ewiges Kalendarium ließ sich etwa auf der Vorderseite unterschiedlicher Kaliber montieren – eine kluge Konstruktion. Diese Innovation war kein Einzelfall, sondern man konkurrierte wirklich auf hohem uhrmacherischem Niveau mit Marken wie Audemars Piguet, Patek Philippe oder Vacheron Constantin. Hierfür verarbeitete Haas Neveux & Cie., so der späterer Name, fast ausnahmslos Rohwerke von namhaften Fabrikanten aus dem Vallée de Joux. Einer der bekanntesten Lieferanten dabei war der LeCoultre. Aber nicht nur das Werk selbst, auch die anschließende Feinbearbeitung erfolgte auf höchstem handwerklichen Niveau.

Aufstieg und Fall

Nach dem Tod des Firmengründers war 1895 die Umbenennung in Haas Neveux & Cie. erfolgt.
Im Jahr 1896 wiederum sorgte ein nur zwei Millimeter hohes Handaufzugswerk während einer Uhrenausstellung in Genf für Gesprächsstoff. Dessen positive Resonanz spornte die Mitbewerber an, ihren Kunden künftig ebenfalls flache Zeitmesser zu offerieren. Das dauerte zunächst aber. Aufgrund der umfassenden Kollektion schmückender Zeitmesser fürs zarte Geschlecht durfte Haas Neveux & Cie. sogar als erster Uhrenhersteller beim Pariser Kunstsalon ausstellen.

Der Genfer Uhrensalon des Jahres 1918 stand dann im Zeichen erster Armbanduhren mit Minutenrepetition. In den 1920-er Jahren präsentierte das kleine aber feine Unternehmen sogar eine ganze Reihe derartiger Modelle mit tonneauförmigem Outfit. Diese hier gezeigte edle Armbanduhr, hergestellt vermutlich 1929, besitzt ein 33 Millimeter breites Gehäuse aus dem schweren, damals sehr beliebten Edelmetall Platin.
Trotz des hohen spezifischen Gewichts fällt das 12-linige Handaufzugswerk, das Werk war aus dem Hause LeCoultre. durch einen deutlich vernehmbaren Klang auf. Die Stundenziffern und die Signatur sind dabei in das versilberte Goldzifferblatt graviert und anschließend schwarz ausgelegt.

Sportlich-elegante Chronographen brachten anschließend die 1930-er Jahre. Das Armbanduhren-Modell misst 32 Millimeter. Es hat ein mit 18-karätigem Scharniergehäuse und das Werk ist ein 13-liniges Monopusher-Kaliber 13 mit 29 Millimeter Durchmesser und einem 30-Minuten-Zähler. Der kombinierte Start-, Stopp- und Nullstelldrücker ist dabei in die Krone integriert. Die Zeiger wiederum drehen vor einem nachtleuchtenden Emailzifferblatt, was in damaliger Zeit von hoher Wichtigkeit war.

Doch nach und nach erlahmte der Erfolg der Marke. Als es dann in den 30-er Jahre vermehrt Schwierigkeiten gab, führten die Spätfolgen der Weltwirtschaftskrise im Jahre 1939 zum endgültigen Aus. Fünfzig Jahre später erfolgte zwar ein zaghafter Wiederbelebungsversuch, er endete jedoch 1996 ebenso sang- und klanglos.
So war die Marke Haas Neveux & Cie. innerhalb eines Jahrhunderts steil auf- und wieder abgestiegen. Gottlob sind einige der hochwertigen alten Uhren erhalten geblieben.

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