Uhrenkosmos-Video: Yvo Staudt, Uhrmacher aus Twenthe im Gespräch mit Gisbert L. Brunner, Uhrenkosmos
„Die Uhr ist der Schmuck für den Mann“

Yvo Staudt wollte Akkordeon-Solist werden, entdeckte jedoch in Italien seine Leidenschaft für die Uhrmacherei. Freunde des klassischen Akkordeons werden ihn vermissen, Uhrensammler dagegen freuen sich über fein ausbalancierte Uhren und die Liebe zum Detail.

„Die Uhr ist der Schmuck für den Mann“

Yvo Staudt - Uhrmacher und Akkordeon-Virtuose im Gespräch

Ein Mann mit Talenten

Yvo Staudt kam nicht durch den Beruf des Vaters oder ein ererbtes Uhrengeschäft zum Uhrenbau. Eigentlich hatte er sich seine Zukunft ganz anders vorgestellt. Schließlich spielte er seit frühester Kindheit mit Begeisterung Akkordeon. Nur während andere Akkordeon-Spieler der leichten Muse und der bierseligen Fröhlichkeit zugetan waren, hatte Yvo Staudt vornehmlich „ernste“ Musik gelernt und gespielt. Jazz, klassische Stücke und in Laufe der Jahre auch mehr und mehr modernen Tango. Kein Wunder, dass es den talentierten Musiker, dank eines Stipendiums überdies mit einem vorzüglichen Pigini Instrument ausgestattet, an die Universität Pescara, die beste für ein Akkordeon-Studium, zog.
Die Tür für eine Musiker-Karriere schien weit offen und der junge Mann stürzte sich in sein Studium. Doch so schön die Musik auch war. Weit weg von daheim, allein in vielen Stunden des Übens fühlte sich Yvo Staudt nicht wohl und suchte nach weiterer Erfüllung. Da er sich bereits zuhause gelegentlich mit Uhren und ihrer Bauweise beschäftigt hatte, begann er in Italien das Thema Uhrenbau intensiv anzugehen. Erste Experimente mit Uhrwerken folgten. Dies ging soweit, dass er sich das Ziel setzte, selbst eine Uhr zu bauen.

Vom Musik-Virtuosen zum detailversessenen Uhrmacher

Es sollte jedoch nicht irgendeine Uhr sein. Er wollte eine besondere Uhr, wie ein schönes Akkordeonspiel. Klar, strahlend, ausbalanciert und schön sollte sie sein. Mit dieser Idee machte sich Yvo Staudt daran, seine eigene, natürlich mechanische Uhr zu bauen. Es war ein langer beschwerlicher Weg, doch er schaffte es tatsächlich, eine eigene, funktionierende Uhr zu realisieren. Er stattete sie mit einem besonders schönen blauen Zifferblatt aus und bald schon erregte sein Uhren-Selbstbau die Aufmerksamkeit seiner Freunde und Bekannten.
Doch es blieb nicht bei der einen Uhr. Ab 2014 baute er, finanziert durch ein Studentendarlehen, fast 50 weitere Uhren und gab dieser ersten Serie den Namen Praeludium. Es war der Startpunkt für sein zweites Leben als Uhrmacher. Er nahm die Gewinne aus dem Verkauf der Uhren und baute sich nach und nach eine echte Uhrmacher-Werkstatt. Die finanzielle Belastung war enorm, doch zufriedene Kunden verlangten nach weiteren Modellen und unterstützten den jungen Selfmade-Uhrmacher. So konnte er den Aufbau der Marke weiter forcieren und neue Modelle in Angriff nehmen.

Die Begeisterung seiner Kunden war leicht zu verstehen. Die Armbanduhren des Jungmusikers waren schön, sehr ausgewogen und mit einem hochwertigen wie zuverlässigen Werk ausgestattet. Das alles wurde zu einem sehr fairen Preis-Leistungsverhältnis angeboten und so wuchs die Zahl der Staudt Uhren-Freunde.

Aufbau und Wachstum

Der hohe Aufwand für den Bau der Uhren ist erkennbar. Mancher würde es schlicht als gute Qualität bezeichnen. Um diese zu gewährleisten, lässt Yvo Staud seine Gehäuse in der Schweiz und nicht in Asien fräsen. Ebenso stammen die Zifferblätter aus einem Spezialbetrieb aus England. Dieser Automobilzulieferer stellt zum Beispiel die Tachometer-Skalen für Rolls-Royce her und kann auch mit kleinen Auflagen umgehen. Interessant dabei, ist die verwendete Stempeltechnik. Sie verleiht den Zifferblättern einen wunderschönen Glanz. Unter den Freunden dieser Uhren gibt es hier sogar den Begriff Staudt-Blau. Die gebläuten Zeiger wiederum kommen auch aus der Schweiz.
Ebenso wie das bewährte Unitas/Eta Savonnette-Kaliber 6498. Dieses erfährt seitens Staudt jedoch eine ausgiebige Überarbeitung und sorgfältige Veredelung. Das Werk erhält eine so genannte 3/4-Platine, eine Schwanenhals-Feinregulierung für den Rücker, 19 Steine und eine feine Dekoration durch Genfer Streifen. Die Unruhfrequenz liegt bei drei Hertz. Ein Blick durch den Glasboden zeigt das attraktive Ergebnis. Trotzdem möchte Yvo Staud seine Uhren auf einem für viele zugänglichen Preisniveau belassen und angemessene Preise nehmen. Ein kluger Gedanke.

Zur Weitsicht des jungen Uhrenmachers Staudt gehört wohl auch, dass er sich frühzeitig in seiner Gesellschafterstruktur und im Management mit dem erfahrenen Uhren-Manager Loek Oprinsen zusammengetan hat. So kann er sich auf den Bau und die Weiterentwicklung von Uhren konzentrieren, weiß aber das Wachstum und das Erobern neuer Märkte in guten Händen.
Unsere vorgestellte Uhr, das Guilloche Top-Modell lässt zurecht vermuten, dass Yvo Staudt nicht nur Sinn für Harmonien auf dem Akkordeon hat, sondern auch für den richtigen Takt in seinem Business sorgt.

Uhrenkosmos Modell-Steckbrief 

Hersteller Staudt Twenthe
Name Praeludium Guilloche
Referenz P12.072
Uhrwerk Staudt – modifiziertes Werk auf Basis Unitas/Eta 6498
Aufzug Handaufzug
Frequenz 3 Hertz / 21.600 A/h
Werk Genfer Streifen verziert, 3/4 Platine,
Schwanenhals-Feinregulierung,
19 Rubine
Gangreserve 50 Stunden
Anzeige Stunden, Minuten, kleine Sekunde
Gehäuse 18 Karat Rosé-Gold
Durchmesser 42,5 Millimeter
Glas Doppelt entspiegeltes Saphir-Glas und Glas-Boden
Gehäusehöhe 11,9 Millimeter
Zifferblatt Massiv Silber guillochiert mit stahlgebläuten Zeigern
Wasserdichte 3 bar
Armband Alligatorarmband mit Goldschließe
Preis Ca. 14.000 Euro
Limitierung 25 Exemplare

 

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