Die Granden hinter der Marke Chopard, Karl und Karl-Friedrich Scheufele, lieben Uhren … und edle Autos
Benzin im Blut und Öl im Getriebe

Chopard und die italienische Mille Miglia sind seit 1988 aufs Engste miteinander verwoben. Seitdem gab und gibt es -fast- jedes Jahr eine spezielle Armbanduhr zur legendären Rallye.

Benzin im Blut und Öl im Getriebe

Die Rennfahrer der Mille Miglia kennen kein Wetter, nur den Reiz der historischen Rennautos und die Freude über das große Zuschauerinteresse Bild Magali Girardin/Chopard.

Rallye mit Unterbrechung

Zwei Männer, denen es vierrädrige Boliden ebenso angetan haben wie edle Zeitmesser fürs Handgelenk, sind Karl III. Scheufele und sein Sohn Karl-Friedrich, Jahrgang 1958. Auf der Suche nach neuen Herausforderungen erwarb der Vater 1963 die gut hundert Jahre zuvor ins Leben gerufene Uhrenmarke Chopard. Die Nachfahren der Firmengründer hatten kein Interesse am Familienunternehmen gezeigt.
Also kam der Unternehmer aus dem deutschen Pforzheim zum Zuge. Aus der eher bescheiden auftretenden Uhrenmarke formte er zusammen mit Ehefrau Karin ein international anerkanntes Luxuslabel, das sich ebenso auf High-End-Manufaktur versteht wie auf feinste Juwelierkunst.
1988 engagierten sich die autoaffinen Scheufeles erstmals als Sponsoren der legendären Mille Miglia. „La corsa più bella del mondo“ führt die teilnehmenden Teams über rund tausend Meilen oder 1600 Kilometer von Brescia durch malerische Städte und Landschaften Italiens bis nach Rom und dann auf teils anderer Route zurück zum Ausgangspunkt. Von 1927 bis 1957 waren Tempo und riskante Überholvorgänge angesagt. Schließlich siegte schlichtweg der Schnellste. Kein Wunder, dass schwere Unfälle beim spektakulären Straßenrennen an der Tagesordnung waren. Und die führten letztlich zum Aus.

Im Jahr 1977 ging dann eine neue Mille Miglia an den Start. Fortan war man befreit von der Last, Rekordgeschwindigkeiten und waghalsige Manöver darbieten zu müssen. Gewinnen kann seither nur, wer Kontinuität, Zuverlässigkeit und zeitliche Präzision an den Tag legt. Aber ein weiteres Kriterium prägt das optische Erscheinungsbild. Aus dem breiten Feld an Bewerbern wählt die Jury nur solche Fahrzeugtypen, welche man schon in den Anfangsjahren bewundern konnte. Logischer Weise ist die Auslese ist extrem hart.
Als Hauptsponsoren sind Mitglieder der Familie Scheufele natürlich dabei. Gelegentlich mit Fahrzeugen aus den Museen renommierter Automarken, meist jedoch mit auserwählten Stücken aus dem eigenen Oldtimer-Park. Und der kann sich mit Fug und Recht sehen lassen.

Ein Faible für Oldtimer

Zu den Glanzstücken der mehr als 30 Exemplare umfassenden hochwertigen Sammlung gehören unter anderem ein Aston Martin Ulster von 1935, ein 1965-er DB5 Vantage, ein Austin-Healey 3000 MKI oder jener offene Ferrari 750 Monza Baujahr 1955, den man gelegentlich in Chopard-Anzeigen sehen kann. Nicht fehlen darf natürlich auch ein Mercedes-Benz 300 SL Flügeltürer. Wegen der hohen Wärmeentwicklung im Inneren und den schlechten Lüftungsmöglichkeiten an heißen Tagen empfindet ihn Karl Scheufele jedoch als echte Herausforderung. Die ursprünglich erdbeerfarbene Metallic-Lackierung wurde übrigens erst während der Restaurierung des einst nach Kalifornien exportieren Fahrzeugs entdeckt und natürlich auch wieder hergestellt.

„Unsere Sammel-Philosophie würde ich so umschreiben, dass die Autos nicht nur in einem guten, fahrbereiten Zustand sind, sondern auch regelmäßig bewegt werden können. Sie sind keine Gemälde oder Skulpturen, die man ehrfurchtsvoll betrachtet. Unsere Autos wollen wir benutzen und vor allem genießen.“ umschreibt Karl-Friedrich Scheufele sein Faible. Deshalb bewegt der Co-Präsident von Chopard sogar seine teuersten Lieblingsstücke von Zeit zu Zeit im öffentlichen Straßenverkehr oder eben bei Oldtimer-Ausfahrten.

Nun lassen zigtausende Zuschauer am Rand der Mille Miglia bei den Fahrern schon gelegentlich das Gefühl aufkommen, ein kleiner Tazio Nuvolari oder Stirling Moss zu sein. Genau das verleitet mitunter dazu, schneller unterwegs zu sein, als es Gesetz und Ordnungshüter eigentlich erlauben. Aber, bekennt Karl-Friedrich Scheufele mit einem verschmitzten Lächeln um den Mund, „..die Faszination erfasst irgendwie alle Italiener. Einschließlich der Politiker und Polizisten. Während der drei Tage, an denen die Mille Miglia stattfindet, hat in Italien alles andere Nachrang. Wenn ich diese Faszination vor Ort persönlich erlebe, kommt es am Steuer meines Autos nicht mehr unbedingt auf jede Zehntelsekunde an. Dabei sein ist alles.“

Im Zeichen der Zeit

Mechanische Stoppuhren haben bei den auserkorenen Mille-Miglia-Teams größtenteils ausgedient. Mit ihnen lässt sich, um es salopp zu sagen, heutzutage kein Blumentopf mehr gewinnen. Selbst in den ältesten Cockpits obliegt die Zeitmessung schnell oszillierenden Quarzen und flinken Computern. Die Ansprüche an Präzision und Geschicklichkeit sind in den vergangenen Jahren spürbar gewachsen. Überlieferte Messinstrumente können nicht mehr mithalten.

Ganz anders sehen die Dinge an den Handgelenken aus: Wer etwas auf sich hält, blickt auf die Zifferblätter konventionell tickender Armbanduhren nobler Provenienz. Die Fahrer tun sich leicht, denn sie bekommen gratis und franko ein Exemplar der jährlich neu gestalteten Mille-Miglia-Linie. Normalsterbliche können die Faszination natürlich auch erleben. Die auf die jeweilige Jahreszahl limitierten Rallye-Modelle sind ebenso käuflich zu erwerben wie zahlreiche andere Armbanduhren der inzwischen breit gefächerten Mille-Miglia-Kollektion. Deren Beginn markiert in besagtem Jahr 1988 ein erster Chronograph mit schlichtem Edelstahl-Gehäuse, Eta-Quarzkaliber und rund ums Zifferblatt einer Tachymeterskala zum Erfassen von Durchschnittsgeschwindigkeiten über eine Meile oder einen Kilometer hinweg. Wer ein solches Exemplar besitzt, darf sich glücklich schätzen, denn es hat Sammlerstatus.

1998 kam das zehnjährige Jubiläum des Mille-Miglia-Sponsoring – und mit ihm ein außergewöhnliches Kautschuk-Armband im Design eines Dunlop-Rennreifenprofils aus den 1960-er Jahren. Trendgemäß fand sich im Gehäuseinneren ein mechanisches Chronographenkaliber mit Selbstaufzug. Im Jahr 2002 sorgte die auf 500 Stück begrenzte Edition des Automatikchronographen „Mille Miglia Fly Giallo“ mit Titangehäuse und Dunlop-Racing-Kautschukband für einiges Aufsehen.
Und der „Mille Miglia GMT 2004“ verfügte neben dem Selbstaufzugs-Chronographen über die Möglichkeit, eine zweite Zonenzeit bei sich zu tragen.
Die Gestaltung des „Mille Miglia Vintage“ aus dem Jahr 2005 bezieht sich wiederum auf die 1950-erJahre; von dieser nostalgisch anmutenden Armbanduhr gab es lediglich 250 Exemplare mit Rotgold-Schale.

Grand mit Grand Tourismo

Im Jahr 2006 wartete Chopard mit der „Mille Miglia Gran Tourismo“ auf, deren Besonderheit in einer Tankuhr, sprich Gangreserveanzeige für das Automatikwerk bestand.
Der darauffolgende, der Jahreszahl entsprechende 2007 Stahl- und 500 Roségold-Exemplare limitierte „Mille Miglia GT XL Chrono“ besaß einen betont sportlichen Charakter, stromlinienförmige Drücker und die überdimensionalen, erstmals hinter Saphirglas gedruckten Ziffern 6 und 12.
Den „Mille Miglia Chrono Limited Edition 2009“ leitete Chopard dagegen betont traditionell vom ersten Modell mit dem augenfälligen Reifen-Armband ab: Eine klassische Formgebung, gute Ablesbarkeit und schnörkelloses Design sind weitere Eigenschaften dieses Automatik-Chronographen mit offiziellem Chronometerzeugnis und 42 Millimeter großem Stahlgehäuse.
Beim Zifferblatt mechanischen MM-Chronographen Cuvée 2013 lag der Akzent auf optimaler Ablesbarkeit. Damit sich der rote Chronographenzeiger besser vom Hintergrund abhebt, besitzt er eine weiße Spitze. Die Tachymeterskala hat Chopard in den Glasrand des wahlweise in Edelstahl oder Roségold erhältlichen 44-Millimeter-Gehäuses graviert.
Im Jahr 2014 stand dann ein Vintage-Look auf der Tagesordnung. Er sollte an die 1930-er Jahre der Mille Miglia erinnern.
Zum 90. Geburtstag der Mille Miglia brachte Chopard im Jahr 2017 dagegen einen neuen Mille Miglia-Chronographen. Bei der Gestaltung des perlierten Zifferblatts ließ sich Chopard dabei von Armaturenbrettern früherer Zeiten leiten.

Die Chopard Race Edition 2019

Übrigens erhielten die Teilnehmer nicht jedes Jahr einen Zeitmesser zur Mille Miglia, so zum Beispiel 1989 und 1992. Damals waren es ein Schlüsselanhänger bzw. ein Paar speziell kreierte Manschettenknöpfe. Denn der Markt für das Projekt einer jährlich limitierten Chrono Race Edition musste zuerst einmal reifen. Ergo lassen sich einschließlich dem diesjährigen Modell exakt 30 Armbanduhren zählen. Einige Enthusiasten besitzen ausnahmslos alle. Und die Anzahl wird weiterhin wachsen, denn die Kooperation zwischen Chopard und dem Rennveranstalter ist eine langfristige.

Im Jahr 2019 legte Karl-Friedrich Scheufele die malerische Strecke im erdbeerfarbenen Flügeltürer zurück. Erstmals begleitet von Tochter Caroline-Marie. Natürlich blickten beide auf Chronographen der Mille Miglia 2019 Race Edition. Der aktuelle Zeit-Bolide verfügt über ein 44 Millimeter großes Stahlgehäuse mit Schraubboden. Dort findet sich auch das bekannte Mille-Miglia-Logo, welches an die Flagge des Rennleiters erinnert. Die schlichte, bis zehn bar wasserdichte Schale umfängt ein Automatikwerk vom Kaliber Valjoux 7750. Seine hohe Ganggenauigkeit attestiert ein offizielles Zeugnis der Schweizer Prüfbehörde COSC.
Wie es sich für einen waschechten Rallye-Chronographen gehört, trägt die Lünette mit geschwärzten Aluminiuminlay eine Tachymeterskala zum leichten Ermitteln der Durchschnittsgeschwindigkeit über einen Kilometer hinweg. Für einen erhöhten Tragekomfort an heißen Tagen sorgt ein schwarzes Kautschukfutter des perforieren Kalbsleder-Armbands. Dessen Profil erinnert in bekannter Weise an einen Dunlop-Reifen aus den 1960-er Jahren. Die Freude an diesem schönen sportlichem Chronographen ist jedoch limitiert. Nach 1000 Exemplaren wird  auch diese Edition beendet. Der Stückpreis liegt bei rund 6.800 Euro. 

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