Tourbillon-Technik
Bulgari wirbelt zum Weltrekord

Basel Backstage: Ultraflache Bauweise bei Herrenuhren ist per se hoch kompliziert. Der Tourbillon jedoch, den Bulgari in seiner neuen Octo Finissimo Automatic verbaut hat, ist ein wahrlich komplexes Kunstwerk. Blick ins Herz einer Ikone aus sandgestrahltem Titan.

Bulgari wirbelt zum Weltrekord

Je flacher eine Uhr, desto höher der Anspruch an den Uhrmacher – was natürlich auch für den Tourbillon (aus dem Französischen für „Wirbelwind“) gilt. Hier definiert der Käfig, in dem Unruh, Unruhspirale und die Hemmungspartie einmal pro Minute um 360 Grad drehen, die Höhe des Ganzen, zu dem bekanntlich auch die Platine als tragendes Element sowie zwei Brücken für Minutenrad und Räderwerk gehören.

Filigrane Kunstgriffe

Um diesen Superlativ zum 40. Jubiläum der 1975 von Gérald Genta gestalteten „Octo“ aus der Taufe heben zu können, mussten die Techniker und Uhrmacher des Hauses Bulgari unkonventionelle Wege beschreiten. Anstelle der üblichen Lagersteine für die rotierenden Teile (einschließlich der Zapfen des Ankerrads) kommen insgesamt sieben Mini-Kugellager zum Einsatz. Die Welle des Tourbillons selbst dreht in einem rückwärtig positionierten Lagersatz. Dank der Verwendung einer Unruh mit variablem Drehmoment war der Rückermechanismus zur Veränderung der aktiven Länge der Unruhspirale verzichtbar. Das Federhaus wird durch drei peripher positionierte Kugellager in Position gehalten.

Bulgari Octo Finissimo Tourbillon Automatic

Bulgari Octo Finissimo Tourbillon Automatic

Durch diesen Kunstgriff konnten die Breite der Zugfeder verdoppelt und eine beachtliche Gangautonomie von 55 Stunden erreicht werden. Das 32,6 mm große Manufaktur-Handaufzugswerk vom Kaliber BVL 268 besteht aus 249 Komponenten. Die Unruhfrequenz liegt bei drei Hertz. Natürlich setzt sich die ultraflache Ausführung auch beim 40 Millimeter großen Platingehäuse fort. Nur 5,15 Millimeter Gesamthöhe sind bemerkenswert. Einen Weltrekord verkörpert das während der Baselworld 2018 vorgestellte, insgesamt nur 3,95 Millimeter hohen „Octo Finissimo Tourbillon Automatic”. Sein Manufakturkaliber BVL 288 in konventioneller Bauweise (wiederum mit fliegendem Kugellager-Tourbillon) baut sogar nur 1,95 Millimeter hoch.

Peripherer Rotor

Der „Hauch“, welcher negative Schwerkrafteinflüsse auf die Ganggenauigkeit in senkrechter Lage kompensiert, verfügt über beachtliche 52 Stunden Gangautonomie. Mit einer klassisch in der Werksmitte positionierten Schwungmasse wäre diese Bestleistung schlichtweg unmöglich. Deshalb bewegt sich der von drei Mikro-Kugellagern gehaltene Rotor außen, sprich peripher um das Uhrwerk. 42 Millimeter misst die ultraflache Schale aus sandgestrahltem Titan. Wasser kann der darin verbauten Mikro-Mechanik bis zu drei bar Druck nichts anhaben. Ein vollflächiger Sichtboden verbietet sich angesichts dieser minimalistischen Bauhöhe – er ist aber auch unnötig, da sich das tickende Geschehen auf der Vorderseite abspielt. Ein Guckloch gibt es aber schon. Es zeigt die rückwärtige Lagerung des Tourbillons und besitzt die Form der Eingangstür des Bulgari-Geschäfts an der Via Condotti in Rom.

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