Begriffe mit Tradition -Chronographen von Universal Genève
„Bi-Compax“ und „Tri-Compax“ eignen sich nicht zur Klassifizierung von Chronographen-Totalisatoren

Die Begriffe „Bi-Compax“ und „Tri-Compax“ zur Klassifizierung von Chronographen-Totalisatoren zu verwenden, hat sich eingebürgert. Sie sollten aber die Hintergründe und die richtige Verwendung der Bezeichungen kennen.

„Bi-Compax“ und „Tri-Compax“ eignen sich nicht zur Klassifizierung von Chronographen-Totalisatoren

Compax, ein Name für Chronographen von Universal Genève

Das Wichtige vorweg: Die Begriffe „Compax“ und „Tri-Compax“ gehören zu Universal Genève wie das Salz zum Meer. Nur Bi-Compax hat es nie gegeben. Wann, wer und warum damit angefangen hat, wissen wir nicht. Aber bei vielen unrichtigen Dingen gibt es immer einen, der der Erste ist und dem viele folgen.

Fest steht, dass Chronographen mit Minutenzähler bei „3“ nach und nach die vermeintlich erhellende Bezeichnung „Bi-Compax“ verpasst bekamen. Und Armbanduhren mit zusätzlichem Stundenzähler bei „6“ wurden nun als „Tri-Compax“ tituliert.  Das Verwunderliche daran ist, dass sich mehr und mehr Uhrenmarken diese Begriffe aneignen und verwenden, Nur damit wird Unsinniges auch nicht wahrer.

Die Geburt des Markennamens Compax

Wer dem Ganzen auf den Grund gehen möchte, muss ganz einfach in die Geschichte des Armband-Chronographen blicken. Recht schnell stößt man auf einst sehr erfolgreiche Marke Universal Genève. Sie wurde 1894 als Descombes & Perret gegründet. 1934 erfolgte dann die Umbenennung in Manufacture des Montres Universal, Perret & Berthoud S.A., Genf. In jenem Jahr präsentierte die Marke ihre Produkte erstmals während der Basler Mustermesse. Und sie ließ sich den Namen „Compur“ für Chronographen schützen.

1937 erlangte Universal für das von der Martel Watch entwickelte Chronographenkaliber 285 mit zusätzlichem 12-Stunden-Zähler ein Patent. Die damit auf den Markt gebrachten Armbanduhren benötigten natürlich einen zugkräftigen Namen. Und der lautete schlicht und einfach „Compax“. Der markenrechtliche Schutz erfolgte gemäß dem „Jahrbuch der Schweizer Uhrenindustrie“ im gleichen Jahr.

1940 bewarb das Unternehmen neben „Compur“-Chronographen mit Minutenzähler auch „Compax“-Chronographen mit zusätzlichem 12-Stunden-Zähler und den ebenfalls patentierten „Aero“-Compax mit Merkzifferblatt bei „12“. Eine zusätzliche Krone bei „9“ diente dem verstellen des zugehörigen Zeigerpaares. Schnell war klar, „Compax“ kam beim Publikum offensichtlich bestens an. Daher gab es auch einen „Uni-Compax“ mit rechts positioniertem Minutenzähler. „Dato-Compax“ mit Zeigerdatum und „Medico-Compax“ mit Pulsometerskala folgten in den 1940-er Jahren.

Jetzt auch Tri-Compax

Die 1944 vorgestellte Krönung hieß „Tri-Compax“. Tri, also drei oder Dreifach-Compax hatte in diesem Zusammenhang somit nicht das Geringste mit den Totalisatoren oder deren Anzahl zu tun. Vielmehr stand das zusätzliche Wort für drei Funktionen dieses Zeitmessers: Chronograph mit 12-Stunden-Zähler, einfaches Vollkalendarium und Mondphasenanzeige.
Wenn also in heutiger Zeit die Begriffe Tri-Compax oder Bi-Compax fälschlich verwendet werden, so geschieht dies wohl aus Unkenntnis deren Entstehung.

Aber nehmen wir es mit Gelassenheit. Der Ausdruck „Es macht keinen Sinn“ ist faktisch auch falsch und es müsste „Es ergibt keinen Sinn“ lauten. Die häufige Verwendung des Ausdrucks hat jedoch normative Kraft und ist in den Sprachgebrauch übergegangen. So gesehen werden wir geduldig von weiteren Tri-Compax Chronographen lesen. Und die richtige Verwendung des Ausdrucks kennen.

Im Vintage-Uhrenmarkt ist die in den 1960-er Jahren produzierte, auch vom Gitarristen Eric Clapton getragene Referenz 881.101/01 mit Zifferblatt im so genannten Panda-Look und Kaliber 281 einer der aktuellen Shootingstars.

 

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