Pioniere des automatischen Aufzugs für Armbanduhren
Autorist: Zugkräfte erwünscht

Bei der Autorist von John Harwood handelt es sich um eine sehr frühe Automatik-Armbanduhr, vorgestellt im Jahr 1930. Sie war ungewöhnlich, fast schon kurios, aber wenig erfolgreich.

Autorist: Zugkräfte erwünscht

Eine Epoche, drei Armbanduhren. In der Mitte: die Autorist

Erfolgreich war die „Autorist“ nicht unbedingt, aber genau das macht sie sammelnswert

Mit der ersten Serien-Automatik fürs Handgelenk hatte es John Harwood wirklich gut gemeint. Hammeraufzug, keine Krone, durch deren Tubus Wasser ins Gehäuseinnere dringen konnte, simple Zeigerstellung per Drehlünette, Serienfertigung unter Verwendung eines AS-Rohwerks ab 1929. Ein nachhaltiger Verkaufserfolg stellte sich trotzdem nicht ein. Daher war 1931 mit der „Harwood“ schon wieder Schluss. Aber der progressiv denkende Engländer ließ sich nicht entmutigen. Er ahnte wohl, dass am automatischen Aufzug für Armbanduhren kein Weg mehr vorbeiführen würde

Von der „Harwood“ zur „Autorist“

Dass runde Gehäuse langsam aus der Mode kamen, blieb natürlich auch John Harwood nicht verborgen. Spätestens seit der legendären Pariser „Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes“ von 1925 stieg das Rechteck im Kurs. Daher hieß es auch für die Grenchener AS S.A umdenken. Das vergleichsweise opulente runde Harwood-Kaliber passte einfach nicht. Also hieß es Abstand nehmen von der Pendelschwungmasse. Zum Glück bot das Handgelenk noch andere Möglichkeiten zum selbsttätigen Spannen der Zugfeder. Eine davon bestand in der aus Bewegung resultierenden Veränderung seines Umfangs. Und die nutzte der kreative Handwerker für eine Konstruktion namens „Autorist“. Dahinter verbirgt sich ein Zusammenschluss der Wörter „Automatic“ und „Wrist“. Das Prinzip ist recht simpel: Die bei Bewegung am Armband entstehenden Zugkräfte gelangen über einen beweglichen Bandanstoß und ein komplexes Hebelsystem zum Energiespeicher. Noch im gleichen Jahr 1931 waren bei AS aus Harwoods Ideenwelt die Kaliber 796 für Herren- und 802 für Damenuhren entstanden. Hierbei handelte es sich allerdings nicht um völlige Neukonstruktionen. Beide Werke basierten auf normalen Handaufzugs-Formwerken: die maskuline Version auf dem AS 624, 6¾ x 11″‚ von 1926, und die Variante für zarte Handgelenke auf dem 1922 lancierten Kaliber AS 475, 5¼ x 8¾ „‚. Jeweils ergänzt durch den trickreichen Hebelmechanismus. Wie schon bei der „Harwood“ erfolgte die Fertigstellung der Uhren durch die Grenchener Fortis S.A. Wie das Schicksal so spielt: Die „Autorist“-Verkäufe hielten sich in sehr überschaubarem Rahmen, denn die konstruktiven Nachteile überwogen die Vorzüge bei weitem. Damit das vergleichsweise komplizierte Aufzugssystem überhaupt funktionieren konnte, musste Frau oder Mann das Armband sehr straff am Handgelenk befestigen. Außerdem durfte es nicht sehr elastisch sein. Somit zeichnete sich der kantige Automatik-Newcomer weder durch sonderliche Funktionstüchtigkeit auch noch durch bemerkenswerten Tragekomfort. Vielleicht macht das den Reiz für Sammler aus.