Unsere Uhr-Ahnen (Teil 6/10)
Angekommen im Alltag – bitte mehr Exklusivität

Im 20. Jahrhundert kann sich fast jeder eine Uhr leisten. Neue und günstige Fertigungsmethoden machen es möglich. Deshalb geht der Trend hin zur Entwicklung von Luxusmodellen. Cartier, Piguet, Rolex und viele mehr – sie werden geboren und erobern die Welt.

Angekommen im Alltag – bitte mehr Exklusivität

Die erste Santos aus dem Hause Cartier.

Es liegt in der Natur der Dinge: Etwas – wie zum Beispiel Armbanduhren – kommt in Mode und schon möchte man sich vom Mainstream, der Masse abheben. Mit einer Rolex dürfte das gelingen. Und dann war da noch Quarz, das plötzlich für Furore in der Zeitmessung sorgte.

Ab 1900 

Anibal, ein Kürzel für „acier nickel pour balanciers“ ist neu und ein speziell legierter Nickelstahl für Unruhn (56 % Stahl, 44% Nickel). Er reduzierte den sekundären Temperaturfehler in den bimetallischen Kompensationsunruhn. Dem Wissenschaftler ist im Zusammenhang damit auch die so genannte Integral- oder Guillaume-Unruh zu verdanken.

1919 erhielt der Forscher das Patent für „Elinvar“, eine Legierung aus Stahl, Nickel und Chrom. Der Terminus setzt sich zusammen aus élasticité invariable, was so viel wie unveränderbare Elastizität bedeutet. In einem normalen Temperaturspektrum von -10 bis + 30 Grad Celsius ist der thermoelastische Koeffizient bei daraus gefertigten autokompensierenden Unruhspiralen gleich null.

1902 konnte die sächsische Nobelmanufaktur von A. Lange & Söhne eine schwere Gold-Savonnette mit der Werksnummer 42.500 verkaufen. Mit 833 Komponenten und Komplikationen wie Schleppzeiger-Chronograph, ewigem Kalendarium und Repetitionsschlagwerk handelte es sich um einen der kompliziertesten, seltensten und historisch bedeutendsten Lange-Zeitmesser überhaupt.

Eine Uhr mit langer Geschichte: „Die Santos“

1904 erbittet der brasilianische Lebemann und Flugpionier Alberto Santos-Dumont vom Designer Louis Cartier die Kreation einer Armbanduhr, von der er die Zeit während des Gleitens durch die Lüfte problemlos ablesen kann. Die „Santos“, ein quadratisches Modell mit abgerundeten Ecken, ist die Armbanduhr mit der längsten, ununterbrochenen Geschichte. Und sie brachte die gestalterische Emanzipation der Armbanduhr vom runden Taschenuhr-Design.

Der im oberfränkischen Kulmbach geborene Kaufmann Hans Wilsdorf lässt sich 1908 in London den Markennamen Rolex, ein nicht zu verballhornendes Kürzel aus „rolling export“ schützen.

Ab 1910

Die 1910 terminierte „Universaluhr“ gilt als eine der kompliziertesten Taschenuhren sächsischer Provenienz. Das Rohwerk von Louis-Elysee Piguet aus dem Vallée de Joux datierte auf 1900. Der Mechanismus besteht aus acht verschiedenen Werken, zusammengesetzt aus 75 Rädern, 25 Trieben, 4 Tonfedern und 205 Stahlhebeln mit Federn, die in 60 Steinen, 40 Metalllagern und 75 Anrichtstiften mit Putzen zwischen 24 Platten und Kloben gelagert sind und von 308 Schrauben gehalten werden.

Das Credo des Rolex-Gründers Hans Wilsdorf: Armbanduhren müssen so gehen wie die Pendants für die Tasche. Um diese Auffassung zu untermauern, lieferte Rolex der Bieler Uhrmacherschule, wo später eine der offiziellen Uhrenprüfstellen entstehen sollte, schon 1910 ein Exemplar des 11-linigen Ankerwerks des Partners Aegler ein. Während 14 Tagen sollte es dort unter amtlicher Aufsicht seine Ganggenauigkeit in verschiedenen Lagen sowie bei unterschiedlichen Temperaturen unter Beweis stellen. Am Ende der zweiwöchigen Testperiode konnte der gnadenlose Prüfungsausschuss nicht anders, als den Winzling mit gratulierenden Worten und einem offiziellen Gangschein zurückzusenden. Es handelte sich um den weltweit ersten für Armbanduhren.

Ab 1920

Wer genaueste Zeit brauchte, kam in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts an der Firma Riefler (München und Nesselwang) nicht vorbei. State Of The Art waren die Pendeluhren mit Tank. Dank einem Vakuum konnte der Luftdruck seine negativen Auswirkungen auf den Gangregler nicht entfalten. Mit freier Hemmung und Invar-Kompensationspendel brachten es Instrumente wie die 1920 fertiggestellte Uhr mit der Nummer 394 auf eine tägliche Gangabweichung von wenigen Tausendstelsekunden.

Das Uhrwerk, hergestellt 1921 von Lehrern und Schülern der Uhrmacherschule des Vallée de Joux ist ein echter Superlativ: Trotz aufwändiger Minutenrepetition besitzt es einen Durchmesser von nur 13,5 Millimetern. Zur Serienfertigung taugt der klingende Zwerg allerdings nicht. Aber er belegt die Leistungsfähigkeit der Schweizer Uhrmacherkunst auf höchstem Niveau.

Der Pariser Uhrmacher Léon Leroy fertigte 1922 für Sir David Salomons eine kleine Serie spitzovaler Armbanduhren mit automatischem Aufzug durch eine ebenfalls navetteförmige Pendelschwungmasse. Sieben dieser Modelle sind zusätzlich mit einem Kalenderwerk versehen. Hierbei handelte es sich um die weltweit ersten Armbanduhren mit automatischem Aufzug.

1925: das erste Buch über Armbanduhren

Der Uhrmacher Bruno Hillmann publizierte 1925 das erste spezielle Buch “Die Armbanduhr“ mit dem Untertitel „ihr Wesen und ihre Behandlung bei der Reparatur“. Der Autor geht mit „einer ganz besonderen Uhrenabart …“ ins Gericht. Er beschreibt sie mit „die so schwierig wie am Werktisch auch mit der Feder am Schreibtisch zu behandeln sind“. Unzureichende Qualität und Servicefeindlichkeit warf er den Fabrikanten vor. Der Kundschaft, vor allem der weiblichen, hingegen unsachgemäßen Umgang. Schmutz, Feuchtigkeit, durch Stöße zerstörte Unruhwellen und zudem schlecht konstruierte Gehäuse und Mini-Werke förderten den Wunsch, dass durch die „zunehmende Vermännlichung des weiblichen Geschlechts“, mit der auch die „Herrenweste bei den Damen Trumpf“ werde. Und damit „für den Uhrmacher endlich die Erlösungsstunde von der Tyrannei der Armbanduhr“ schlage.

John Harwood, Uhrmacher, reparierte in seiner kleinen Werkstatt auf der Insel Man Zeitmesser aller Art. Bei Armbanduhren bemängelte er die Gehäuse, welche Staub und Feuchtigkeit über die Aufzugswelle fast ungehindert eindringen ließen. Überflüssig wurde sie durch ein Uhrwerk mit Selbstaufzug durch Pendelschwungmasse und Zeigerstellung per Drehlünette. Die Serienfertigung der „Harwood“ startete 1926.

Die erste wasserdichte Armbanduhr

Die erste wirklich wasserdichte Armbanduhr, von Hans Wilsdorf „Oyster“ getauft, bestach 1926 durch

  • einen hermetischen Verschluss des eigentlichen Gehäuses, dessen Einzelteile wasserundurchlässig gegeneinander zu verschrauben waren
  • eine vollkommen abschließenden Glas aus synthetischem Material, welches sich absolut formschlüssig ins Gehäuse einpassen ließ
  • eine Aufzugskrone, die auch bei täglicher Benützung das Werk zuverlässig vor eindringender Feuchtigkeit schützte.

Mit der Uhr beließ es Hans Wilsdorf nicht. Parallel dazu entwickelte Rolex neuartige Prüfapparate, mit deren Hilfe sich selbst 0,5 Milligramm schwere Wassertropfen in den Gehäusen feststellen ließen. Mit dieser Armbanduhr durchschwamm die Londoner Stenotypistin Mercedes Gleitze am 7. Oktober 1927 den Ärmelkanal in 15 Stunden und 15 Minuten. Ihre Rolex tickte, als wäre nichts geschehen.

Ab 1926

Ernst Zschiesche fertigte in den Jahren 1926 und 1927 eine Taschenuhr mit „fliegendem“ Tourbillon nach Alfred Helwig. Im Gegensatz zu konventionellen Tourbillons besitzt selbiges keine Brücke zur vorderseitigen Lagerung des Drehgestells. Der Absolvent der Deutschen Uhrmacherschule Glashütte stattete sein Uhrwerk zudem mit Chronometerhemmung, Differentialaufzug und Gangreserveindikation aus.

1928 schickte sich eine revolutionäre Erfindung an, den bis dahin gültigen Genauigkeitsbegriff in Frage zu stellen. Der Engländer Warren Alvin Marrison hatte eine elektronische Quarzuhr entwickelt. Innen vibrierte ein ringförmiger, drahtumwickelter Kristall. Die weltweit erste Quarzuhr verfehlte die amtliche Tagesnorm nur um eine Tausendstelsekunde. Machte pro Jahr weniger als eine halbe Sekunde.

Natürlich konnte auch der Neuenburger Ingenieur Jean-Léon Reutter die ehernen Energiegesetze nicht aushebeln. Seine ebenfalls 1928 vorgestellte „Atmos“ kam dem Perpetuum Mobile aber ziemlich nahe. Temperaturschwankungen halten die mechanische Tischuhr in Gang. In einer verschlossenen Kapsel befindet sich eine Mixtur aus Flüssigkeit und Gas. Ausdehnung, und Komprimierung dieses Gemischs spannen die Zugfeder.

1929 hatte LeCoultre ein baguetteförmiges Uhrwerk zur Serienreife entwickelt. Das weltweit kleinste mechanische Uhrwerk misst 14 x 4,8 x 3,4 Millimeter. Die insgesamt 74 Teile wiegen lediglich 0,9 Gramm, Zifferblatt und Zeiger inbegriffen. Dieser zeitbewahrende Winzling wird bis heute hergestellt. Einen davon trug Königin Elizabeth II im Jahr 1953 bei ihrer Krönung

 

Ab 1930

Das Oyster-Gehäuse von Rolex verlangte förmlich nach einem Automatikwerk. Dem Techniker Emil Borer ist die „Erfindung eines automatischen Aufzugsmechanismus“ zu verdanken, „der sich vollkommen geräuschlos, stoßfrei und ohne Puffer hin und her dreht.” Das ehrgeizige Ziel war 1931 erreicht. Das 7,5 mm hohe Kaliber NA 620 mit einseitig wirkendem Rotor erwies sich sogar als patentwürdig.

Am 20. Mai 1927 hob Charles Lindbergh mit seinem „Spirit of St. Louis“ nahe New York ab, um nonstop nach Paris zu fliegen. Dort landete er gut 33 Stunden später. Mit Hilfe seiner Erfahrungen in der Langstreckenaviatik präsentierte Longines 1931 eine opulente Stundenwinkel‑Armbanduhr. Ihr ausgeklügeltes System von Zeigern, verstellbaren Zifferblättern und Spezial-Drehlünette erleichterte Piloten fortan die Längenbestimmung.

Aktuelle, Temperaturschwankungen selbst kompensierende Unruhspiralen bestehen aus „Nivarox“, was „nicht variabel, nicht oxidierend“ meint. Die 1933 lancierte Metalllegierung geht auf die Herren Reinhard Straumann und Carl Haas zurück. Ihr Mix besteht aus 30% Nickel, 6 bis 8% Wolfram oder Molybdän, 61 bis 63 % Eisen und 1% Beryllium. Neben vorzüglichen temperaturkompensierenden Eigenschaften weist sie auch gute antimagnetische Werte auf.

Komplizierter geht es fast nicht: Patek Philippe lieferte die doppelseitige Taschenuhr mit der Nummer 198.385 am 19. Januar 1933 an den Amerikaner Henry Graves Jr. Einige Beispiele des breiten Funktionenspektrums: Minutenrepetition mit Westminsterschlag, Grande und Petite Sonnerie, Schleppzeiger-Chronograph, ewiger Kalender, Äquation, Sternzeit, Indikation des Sternenhimmels, Sonnenauf- und -untergangszeit.

Stoßsicherung für Armbanduhren

Als die Armbanduhr gegen Ende der 1920-er Jahre den Kinderschuhen entwachsen war, als wasserdichte Gehäuse die Verwendung auch unter strapazierenden Bedingungen gestatteten, trat die Gefahr von schweren Stößen und Stürzen immer deutlicher zutage. Doch die Schweizer Uhrenindustrie war um effiziente Problemlösungen nicht verlegen. In Anlehnung an Abraham-Louis Breguet, den Erfinder der „parachûte“ genannten Stoßsicherung präsentierte clevere Fabrikanten  zeitgemäße Versionen, welche imstande waren, die dünnen Zapfen der Unruhwelle wirksam zu schützen. Die Stoßsicherung für Armbanduhren war geboren. Das wohl bedeutendste und bis heute am meisten verbreitete System gelangte 1933 unter dem Namen „Incabloc“ auf den Markt.

Am 15. März 1934 trat der Schweizer Bundesbeschluss zum Schutz und zur Regulierung des Uhrenmarkts (Uhrenstatut) auf Anraten der Fédération Horlogère (FH) sowie anderer beruflicher und gewerkschaftlicher Verbände in gesetzlicher Form in Kraft. Das Uhrenstatut wirkte jahrzehntelang erstarrend, unterdrückte ein gesundes Konkurrenzdenken und ist mitverantwortlich für den kontinuierlichen Niedergang der Uhrenindustrie in den 1970-er Jahren. Es steht in der Schweizer Wirtschaft als absolutes Unikum da und wurde erst 1966 aufgehoben. Oris beispielsweise nagelte dieser Erlass jahrzehntelag auf die Herstellung von Uhrwerken mit Stiftankerhemmung fest.

Ab 1935

Die 1935 vorgestellte Glucydur-Unruh besteht aus einer Kupferlegierung, der ca. 3 %Beryllium und etwa 0,5 % Nickel beigemengt werden. Man erkennt sie an ihrem goldfarbenen Erscheinungsbild. Glucydur-Unruhn besitzen eine Härte von 380 Vickers gegenüber 220 für die Nickel-Unruh und 180 für jene aus Messing. Dadurch lassen sie sich vorzüglich vernieten, auswuchten und feinregulieren.

Louis Cottier, Jahrgang 1894, beschäftigte sich in seinem Genfer Atelier mit der Konstruktion und Herstellung komplizierter Uhren. Seine besondere Leidenschaft galt den Weltzeitindikationen. Diesbezüglich entwickelte er z.B. Mechanismen, mit deren Hilfe Kosmopoliten alle 24 Zonenzeiten dieser Erde simultan von einem Zifferblatt ablesen konnten. Die erste Armbanduhr dieses Typs stammt 1937 von Patek Philippe.

Die Flieger-Chronographen

1938 starteten bei Hanhart in Gütenbach die Entwicklungsarbeiten für die Flieger-Chronographen mit der 15½-linigen (Durchmesser 35 Millimeter) Kaliberfamilie 4x. Sie beinhaltete die Ein-Drücker-Version 40, das 41 mit zwei Drückern für Additionsstoppungen sowie das 42 mit Temposchaltung, was in modernem Sprachgebrauch einer Flyback-Funktion entspricht. Besondere Kaliber-Kennzeichen waren Schaltradsteuerung sowie beim Kaliber 41 asymmetrisch angeordnete Drücker. Die für militärische Cockpits bestimmten Exemplare brachten auch den signifikanten roten Drücker bei der „4“ ins Spiel. Damit die Piloten den Nullstelldrücker nicht versehentlich betätigen, färbte ihn die besorgte Frau eines Piloten mit rotem Nagellack ein. Eine zeitschreibende Legende war geboren, welche sich auch noch durch einen roten Farbtupfer auf der gerändelten Drehlünette auszeichnete. Dieser Merkpunkt erinnerte an den Ablauf eines längeren Zeitintervalls, das der Chronograph mit seinem 30-Minuten-Totalisator nicht erfassen konnte.

Ab 1940

Während des Zweiten Weltkriegs verlangten Schweizerische Boykottmaßnahmen dringend nach der Entwicklung deutscher Chronographenkaliber für die Piloten der Luftwaffe. 1941 war das 15-linige, 5,4 Millimeter hohe Handaufzugskaliber Urofa 59 mit Schaltradsteuerung, 30-Minuten-Zähler und Flyback-Funktion serienreif. Es tickte in einem 39 Millimeter großen Gehäuse mit verschraubtem Edelstahlboden. Auffällig: die Drehlünette mit roter Merk-Markierung.

Die Automatik von Rolex blockierte die Entwicklung des Rotor-Selbstaufzugs über Jahre hinweg, denn die Patente deckten nahezu alles ab. Eine Schwachstelle gab es jedoch: Die Schwungmasse spannte die Zugfeder nur in einer Drehrichtung. Diesem Manko begegnete der Ebauches-Fabrikant Felsa 1942 mit seinem Kaliber 692 „Bidynator“. Bei dem 5,80 mm hohen Werk zog der Rotor, wie der Name besagt, mit Hilfe eines Zahnradwechslers erstmals in beiden Drehrichtungen auf. Er arbeitete dadurch für damalige Verhältnisse wesentlich effizienter.

Rolex feiert Jubiläum

1945 feierte Rolex das 40-jährige Firmenjubiläum. Aus diesem Anlass gelangte „Datejust“ in die Kollektion. Diese Weltpremiere avancierte zum Vorbild für Generationen späterer Armbanduhren, handelte es sich doch um die erste wasserdichte Herrenarmbanduhr mit Rotoraufzug, Zentralsekunde, Fensterdatum und Chronometerzertifikat. Kein Wunder, dass sie in den USA zur Uhr des 20. Jahrhunderts gewählt wurde.

Auch wenn es bei oberflächlicher Betrachtung nicht so scheinen mag: Extraflache Kaliber zählen zu den uhrmacherischen Komplikationen. Der Grund: Mit abnehmender Bauhöhe vermindern sich die Toleranzen. Auf den Umgang mit derartigen Uhrwerken verstehen sich Audemars Piguet und Vacheron Constantin seit Generationen. Zusammen mit LeCoultre entstand 1946 ein ultraflaches Handaufzugskaliber, welches Vacheron Constantin 1003 und Audemars Piguet 2003 taufte. Bei einem Durchmesser von 20,3 mm misst es nur 1,64 mm in der Höhe. Im Gegensatz zu anderen Konstruktionen, die bei strapazierenden Tragebedingungen durchaus streiken können, arbeitet das jahrzehntelang produzierte Handaufzugswerk auch unter widrigen Bedingungen zuverlässig.

Ab 1947 beschäftigt sich Heinrich Stamm bei Eterna mit der problematischen Rotorlagerung. Intensive Studien führen zum Kugellagerrotor hervor, der heute als Weltstandard gilt. Die fünf Kugeln von je 0,65 mm Durchmesser, von denen tausend wenig mehr als ein Gramm wiegen, werden durch einen feinen Käfig mit wenig Spiel gehalten. Ab 1948 schaffte diese zukunftsweisende Erfindung sämtliche Probleme üblicher Zapfenlager aus der Welt.

Robustere Zugfedern

Liebhaber betagter Handaufzugsuhren kennen das knackende Geräusch mit anschließendem Stillstand und Besuch beim Uhrmacher zur Genüge. Es zeugt vom Reißen der energiespendenden Zugfeder. Jahrzehntelang bestanden jene aus reinem Kohlenstoffstahl. Dieser Werkstoff stand für eine relativ hohe Rost- und vor allem auch Bruchgefahr. Längst haben struktur- und kaltgewalzte Legierungen die anfälligen Federspeicher abgelöst. Bei ihnen treten besagte Schwierigkeiten nur noch sehr selten auf. Und zwar dann, wenn extrem ungünstige Temperatur-, Konstruktions- und Umgebungseinflüsse zusammenkommen.

Zu den Pionieren des Besseren gehörte 1948 einmal mehr der Schweizer Ingenieur Reinhard Straumann. Zu seinen Erfindungen gehört neben „Nivarox“ auch „Nivaflex“,legiert aus 42 bis 48% Kobalt, 15 bis 25% Nickel, 16 bis 22% Chrom sowie je 2 bis 6% Molybdän, Wolfram und Eisen; außerdem Spuren von Titan und Beryllium. Der Kohlenstoffanteil liegt unter 0,1 Prozent. Ein höherer Grad an Beryllium steigert übrigens die Festigkeits- und Härtewerte zusätzlich, was Miniaturisierungsanforderungen gerecht wird. Daraus gefertigte Zugfedern sind amagnetisch, bestechen durch extreme Zugfestigkeit, über 800 Vickers Härte, hohe Biegewechselfestigkeit, exzellente Korrosionsbeständigkeit und gute Temperaturbeständigkeit von -50 bis 350 °Celsius.

Die Entwicklung der Zeitvermessung ab 1950 haben wir im Teil 7 zusammengefasst. Nach jahrzehntelanger Forschung wurde die erste Quarz-Armbanduhr in Tokio von Seiko vorgestellt. 

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