Royal Oak Perpetual Calendar
Für immer und ewig

Wie der immerwährende Kalender des römischen Feldherren seinen Weg zu den Armbanduhren von Audemars Piguet fand. Lesen Sie hier. Aber aufgepasst, mit Ewigkeit sollte man es nicht überstürzen!

Für immer und ewig

Die Royal Oak Perpetual Calendar ist ein technisches Meisterstück. Doch am beeindruckendsten ist sicher ihr Design

An der Ewigkeit wird hart gearbeitet

Julius Cäsar ist tot – es lebe Julius Cäsar! Trotz seines gewaltsamen Todes durch eine heimtückische Verschwörung gelang es seinen Widersachern nicht, sein Vermächtnis in Form des Julianischen Kalenders zu vernichten! Im Gegenteil, damals wie heute gültig, schuf Cäsar mit dem Ewigen Kalender Großes. Nun gut, ganz so einfach hatte es der Julianische Kalender nicht, so Einige legten Hand an, wollten ihn ändern oder gar abschaffen. Doch am Ende blieb Cäsar, wie so oft schon zu Lebzeiten, siegreich. Bereits ab 45 v. Chr. zählte das Sonnenjahr 365 Tage. Dabei wechselten sich Monate mit 30 und 31 Tagen ab. Weil das Jahr -astronomisch korrekt berechnet- sechs Stunden länger währte, verfügte Caesar am Ende jedes vierten Jahres einen kompensierenden Schalttag. Zur Abrundung seiner Reform verlegte der Diktator schließlich noch den Jahresbeginn vom 1. März auf den 1. Januar und damit näher zur Wintersonnenwende.

Ganz offensichtlich erkannte der römische Senat die Tragweite dieser astronomischen Leistung, denn er ehrte den Regenten durch Umbenennung von Cäsars Geburtsmonat Quintilis (der fünfte Monat im Jahr) in dessen Geschlechtsnamen Julius, heute als Juli bekannt. Cäsar hatte es wirklich gut gemeint, aber die Rechnung ohne die römischen Kalenderpriester gemacht. Schon kurz nach der Ermordung des Diktators beendeten sie bereits jedes dritte Jahr mit einem Schalttag. Und das 36 Jahre lang. Danach dauerte es ganze zwölf Jahre, bis die daraus resultierenden Unstimmigkeiten wieder aus der Welt geschafft waren.

Augustus, übernehmen bitte!

Acht nach Christus startete Cäsars Adoptivsohn und politischer Erbe Octavianus, besser bekannt als Kaiser Augustus, den Julianischen Kalender neu. Zufall oder nicht: Weil der Vierjahresrhythmus fortan konsequent eingehalten wurde, lassen sich die Schaltjahre so bequem per Division durch vier ermitteln. In jenem Jahr erfuhr auch Augustus eine Auszeichnung durch den Senat. Als Dank für die Eroberung Alexandrias und die Unterwerfung von Antonius und Kleopatra im Sextilis, dem sechsten Monat des Jahres 31 v. Chr. hieß dieser nun Augustus. Zufrieden war der Geehrte dadurch freilich nicht. Ihn störte, dass sein Monat einen Tag kürzer war als derjenige seines Stiefvaters. Eine Nachbesserung war fällig. Der August bekam seine 31 Tage. Die folgenden Monate September, der Siebte, Oktober, der Achte, etc. wurden umgeordnet und der ohnehin schon vergleichsweise kurze Februar auf 28 bzw. 29 Tage in Schaltjahren reduziert.

Wo gehobelt wird, fallen Schaltjahre

Bis ins Mittelalter lief dann kalendarisch alles gut. 1582 sah sich Papst Gregor XIII. gezwungen, eine kleine Nachbesserung vorzunehmen und den Gregorianischen Kalender in Kraft zu setzen. Von den Säkularjahren 1600, 1700, 1800 ff. waren fortan nur noch die durch 400 teilbaren Schaltjahre. Der Schalttag hatte und hat also trotz des 4-Jahres-Zyklus in den Jahren 1700, 1800, 1900, 2100, 2200, 2300 usw. auszufallen.

Solches tangiert Armbanduhren mit ewigen Kalendarium (Quantième Perpétuel, QP) freilich nicht: Dank komplexer Mechanik unter dem Zifferblatt kennen sie die unterschiedlichen Monatslängen in Normal- wie Schaltjahren ganz genau. Aus dem Takt geraten sie erst im Februar 2100.

Wie kommt die Ewigkeit in die Armbanduhr?

Zu den Pionieren dieser komplizierten Spezies Zeitmesser gehört unbestritten die Genfer Edel-Manufaktur Patek Philippe. Bereits 1925 brachte sie das immerwährende Kalendarium ans Handgelenk. In Gestalt eines Unikats, denn das Werk aus dem Jahr 1898 fand zunächst in ein Taschenuhrgehäuse. Die ersten „Serien“-Modelle„ folgten 1941.

Eile mit Weile

Bei Audemars Piguet debütierte 1921 die erste kissenförmige Armbanduhr mit einfachem Vollkalender und Mondphasenanzeige. Mit dem immerwährenden Kalender fürs Handgelenk ließ sich die Familien-Manufaktur bis 1948 Zeit. Dann entstanden mit Unterstützung des unabhängigen Uhrmachers Alfred Aubert insgesamt zwölf Armbanduhren auf der Basis des 13-linigen Handaufzugswerks 13VZ. Die Besonderheit des 13VZSSQP und zugleich Weltpremiere: eine zusätzliche Schaltjahresindikation entweder bei „6“ oder bei „12“ mit jeweils gegenüberliegender Mondphasenanzeige. 1969, als Audemars Piguet das letzte Exemplar verkauft hatte, sorgte das Kaliber 2120 bereits seit zwei Jahren für Gesprächsstoff. Dieses 2,45 mm flache Zentralrotor-Automatikwerk widerlegte die Auffassung, dass sich weniger als drei Millimeter Bauhöhe nur mit Hilfe von Mikrorotoren realisieren ließen. Die zentral angeordnete und gelagerte Schwungmasse mit 21-karätigem Goldsegment lief unüberhörbar auf vier peripher angeordneten Rubinrollen.

Dieser Rekord eignete vorzüglich zur Kombination mit einem nicht minder flach ausgeführten ewigen Kalender, für dessen Roh-Kadratur der Spezialist Dubois-Dépraz verantwortlich zeichnete. 1978 gab das 3,95 mm hohe, aus 292 Komponenten zusammengefügte Kaliber 2120/2800 seinen Einstand in der Referenz 5548 (25548), von der Audemars Piguet bis 1990 insgesamt 2.187 Exemplare fertigte. Dass es sich bei dem von 1977 bis 1993 produzierten Uhrwerk um einen Bestseller handelte, belegen folgende Zahlen: 7.291 Stück beseelten insgesamt 70 Referenzen, hergestellt in mindestens 190 verschiedenen Versionen.

Lieber Raritäten statt Schaltjahresanzeige

Auf eine Schaltjahresanzeige mussten die Käufer dieser klassischen Armbanduhr, die vielen anderen Zeitmessern dieser Spezies als Vorbild diente, noch verzichten. Daran änderte sich auch 1984 nichts, als Audemars Piguet dieses Uhrwerk in der Royal Oak verbaute. Bei der ersten Referenz 5554 (25554) handelte es sich um eine echte Rarität. In Gold entstanden 229, in Stahl 49 und in Platin lediglich ein Stück. Orientierung im Schaltjahres-Zyklus gewährleistete ab 1997 das 4,05 Millimeter hohe Kaliber 2120/2802.

Trotz aller Kalender-Komplexität beschränkte sich Audemars Piguet auf eine simple Mondphasenindikation. Bekanntlich dauert eine Lunation, also die Epoche von Neumond zu Neumond, 29 Tage, 12 Stunden,44 Minuten und 2,8 Sekunden. Aus technischen Gründen rundeten die Uhrmacher auf 29,5 Tage ab. Auf diese Weise konnte der Mechanismus eine Scheibe mit 59 Zähnen und zwei Monden täglich um eine Position weiterschalten. Dadurch weicht die Indikation alle zweiJahre und sieben Monate um einen Tag von den astronomischen Gegebenheiten ab.

Ab 2015 auch mit Kalenderwoche

2015 bricht bei Audemars Piguet mit dem Kaliber 5134 in einer neuen, weil größeren Royal Oak die künftige Kalender-Ära an. Als alte Bekannte präsentiert sich das Automatikkaliber 2120, welches die Familienmanufaktur zwischenzeitlich jedoch unter dem eigenen Dach herstellt. Die Höhe des weiterhin mit 2,75 Hertz (19.800 Halbschwingungen/Stunde) tickenden Mikrokosmos ist auf 4,31 Millimeter gewachsen. Das Plus von knapp 0,3 mm ist einer neuen Kalender-Konstruktion mit Schaltjahresmechanik auf einer zusätzlichen Ebene über dem Monatsnocken und einer Indikation der Kalenderwochen nach ISO 8601 geschuldet.

Ich seh den Sternenhimmel…

Gemäß der in Europa üblichen Zählweise ist die erste Kalenderwoche diejenige, welche den ersten Donnerstag des Jahres enthält. Mondsüchtige Zeitgenossen werden ihre helle Freude an der neuartigen Anzeige des bleichen Erdtrabanten haben. Die dünne Scheibe besteht aus besteht aus künstlichem Aventurin. Die Materialstruktur mit Einschlüssen weckt Erinnerungen an den Sternenhimmel. Der darauf befestigte Mondist einem NASA-Foto nachempfunden. Sie kleine Saphirscheibeerfährt ihre Strukturmit Hilfe eines Lasers. Dank eines neu berechneten Antriebs geht diese Anzeige nur noch alle 125 Jahre und 317 Tageum 24 Stunden falsch.

Individualisten können den goldenen Rotor skelettieren und mit ihren Initialen personalisieren lassen. Die Vergrößerung der Kadratur auf 29 und der ganzen Royal Oak mit Sichtboden auf 41 Millimeter bringt logischer Weise eine deutlich bessere Ablesbarkeit von Datum, Wochentag, Monat und Schaltjahreszyklus. All das hat natürlich seinen Preis. Die neue „Royal Oak Perpetual Calendar“ kostet in Stahl 59.300 Euro und in Gold sage und schreibe 93.000 Euro.

Diese Uhr kommt männlich daher. Gerade bei seitlicher Ansicht

Diese Uhr kommt männlich daher. Gerade bei seitlicher Ansicht

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