Armbanduhren wider den Zeitgeist
Armbanduhren-Klassiker – Teil 2

Seit langem schon sind die Rolex „Datejust“, die IWC „Mark 11“ und der „Navitimer“ von Breitling aus der Uhrenszene nicht mehr wegzudenken. Der Uhrenkosmos erzählt die Geschichte dieser drei Zeit-Ikonen.

Armbanduhren-Klassiker – Teil 2

Drei Männer und ihre Armbanduhr-Kreationen: Hans Wilsdorf und die Rolex Datejust, Hans Homberger und die IWC Mark 11, Willy Breitling und der Navitimer

Zeit-Genossen mit ausgeprägtem Gespür für die Zukunft achten bei ihren Armbanduhren auf voraussichtlich langlebiges Design und im Idealfall steigenden Wert. Wer in diesem Zusammenhang von Klassikern spricht, denkt definitionsgemäß an „mustergültige Produkte ersten Ranges, Resultate herausragender literarischer, künstlerischer oder wissenschaftlicher Leistungen schöpferischer Menschen, welche die Merkmale ausgereifter Meisterschaft in sich tragen.“

Naturgemäß ist die Bandbreite dessen, was Zeitgenossinnen und Zeitgenossen unter diesem bedeutungsvollen Begriff Armbanduhren-Klassiker subsumieren, relativ groß. Überdies mangelt es dem oft missbrauchten Attribut allein schon deshalb an Objektivierbarkeit, weil sich über den persönlichen Geschmack selbst im dritten Jahrtausend kaum streiten lässt.

Die Rolex „Datejust (*1945)

Man schrieb das Jahr 1945, als Hans Wilsdorf in Genf den 40. Geburtstag seines Unternehmens feierte. 1908 hatte er es bekanntlich Rolex getauft. Bei der Kreation eines adäquaten Jubiläumsmodells lag eine Synthese bisheriger Errungenschaften förmlich auf der Hand. Gemeint sind die 1926 eingeführte Oyster-Schale, der 1931 zur Serienreife gediehene Selbstaufzug durch unbegrenzt  drehenden Rotor sowie die seit 1914 gepflegte Chronometer-Zertifizierung.

Zur Krönung addierte die Manufaktur mit dem Kronenlogo ein gut ablesbares Fensterdatum bei „3“. „Just in time“, sprich um Mitternacht schaltete die Indikation auf den nächsten Tag weiter. Der zum Launch geprägte Satz „Man kann, ohne zu übertreiben, diese Schöpfung als Synthese der gesamten modernen Uhrenwissenschaft der Schweiz bezeichnen.“ traf den Nagel also auf den Kopf. Nicht ohne Grund entwickelte sich die „Datejust“ seit 1945 zum festen Bestandteil der Rolex- Kollektion und darüber hinaus zur chronometrischen Legende.

Mehr als 70 Jahre Evolution

Natürlich erfuhr dieses Rolex-Modell im Laufe der Jahrzehnte eine kontinuierliche Optimierung. In Rolex-gewohnter Weise ausgesprochen subtil. Auf diese Weise blieben die unverwechselbare Charakteristik und damit der beispiellose Wiedererkennungswert uneingeschränkt erhalten. Das so genannt Tüpfelchen auf dem I ist der zweiten Ehefrau von Hans Wilsdorf zu verdanken. Ihre Sehschwäche brachte 1952 die Datumslupe. Wie der Zufall so will, fiel bei der Morgentoilette ein Tropfen Wasser genau bei „3“ aufs „Datejust“-Glas. Hans Wilsdorf staunte, handelte und konnte 1954 das einschlägige Patent entgegennehmen. Ein weiterer Grund für die honorige Kür zur Armbanduhr des 20. Jahrhunderts in den USA.

Zu den aktuellen Repräsentanten der bald 75 Jahre alten Uhrenlinie gehört die „Rolex Oyster Perpetual Datejust 36“. Im bis zehn bar wasserdichten 36-Millimeter-Gehäuse aus Stahl und 18-karätigem „Everose“ Roségold tickt die neueste Generation der hauseigenen Automatikwerke. Das selbstverständlich COSC-zertifizierte Kaliber 3235 mit 70 Stunden Gangautonomie verfügt über die selbst gefertigte Parachrom-Spirale sowie die innovative „Chronergy“-Hemmung.

Der Preis der Rolex Oyster Perpetual Datejust 36 in Roségold liegt bei circa 9.950 Euro.

Die „Mark xx“ Fliegeruhr von IWC (*1948)

Als IWC die erste speziell für Piloten konzipierte Armbanduhr vorstellte, zeigte der Kalender das Jahr 1936. Um bei Piloten im Einsatz zu bestehen, galt es wichtige Eigenschaften zu gewährleisten, als da wären:  Beste Ablesbarkeit selbst bei widrigen Lichtverhältnissen gewährleisteten ein schwarzes Zifferblatt mit großen Leuchtziffern und markante Leuchtzeiger. Zur Kontrolle der Flugzeit gab es eine Drehlünette mit Merkpfeil.
Speziell für die deutsche Luftwaffe entwickelte die Manufaktur ab 1939 auch eine 55 Millimeter große Fliegeruhr. Bei der 1940 lancierten „Mark X“ handelte es sich um eine Armbanduhr für den militärischen Dienstgebrauch. Sie bewährte sich bis 1947.

1948 bringt die Legende

Im Folgejahr erhob sich die Flieger-Armbanduhr schlechthin erstmals in die Lüfte. Der legendären, gemäß Britischer Militärspezifikation 6B/346 hergestellten „Mark 11“ vertrauten nicht nur Militär-Piloten ihre kostbare Zeit an, sondern auch viele Kapitäne ziviler Airlines. In diesen Zeitmesser hatte die IWC alle einschlägigen Erfahrungen einfließen lassen. Hinzu gesellten sich neueste Erkenntnisse aus Uhrmacherei und der Metallurgie: Ein Weicheisen-Innengehäuse schützte das Kaliber 89 vor Magnetfeldern. Vor dem Versand musste jedes Exemplar ein 44-tägiges Testprogramm für „Navigator Wrist Watches“ absolvieren. Manche Modelle tragen die Bezeichnung „W.W.W.„, was „Waterproof Wrist Watch“ mit armiertem Glas bedeutet. Kein Wunder, dass die 1984 eingestellte „Mark 11″ zur Kult-Uhr avancierte. Sie ist ein heissbegehrtes Vintage-Modell und kostet in der Regel 5.000 Euro und mehr.

Die Fortsetzung der Fliegeruhren-Tradition erfolgte 1988 mit dem ersten Fliegerchronographen. All jene, die bei der „Mark 11“ zu kurz gekommen waren, konnten sich ab 1994 mit der 36 mm messenden „Mark XII“ trösten.

Anfang 2016 ging die auf großzügige 40 Millimeter gewachsene „Mark XVIII“ mit Edelstahl-Schale, amagnetischem Weicheisen-Innengehäuse und dem zuverlässigem Automatikkaliber Eta 2892-A2 an den Start.

Der Preis der IWC Mark XVIII in Edelstahl liegt bei circa 4.490 Euro.

Der „Navitimer“ von Breitling (*1952)

Schon bevor Computer Einzug ins Cockpit hielten, mussten Piloten den Treibstoffverbrauch, durchschnittlichen Höhengewinn oder die Distanzen beim Aufsteigen und Landen ermitteln. Desgleichen gehörte das Umrechnen von Kilometern in See- oder Landmeilen zu den Routineaufgaben.
Diese Fakten veranlassten Breitling, einen ausgewiesenen Spezialisten für Kurzzeitmessung bereits 1941 zur Kreation des „Chronomat“. Dieses Wort signalisierte einen ausgeklügelten Armband-Chronographen mit mathematischem Zusatznutzen. Gemeint ist ein ringförmiger Rechenschieber.

1952, als die De Havilland Comet mit einem regulären Flug von London nach Johannesburg das Jet-Zeitalter einläutete, folgte der legendäre „Navitimer“, Referenz 806 mit erweiterten und wesentlich optimierten Rechenmöglichkeiten.

In der Werbung bezeichnete Breitling diese Armbanduhr, deren Name sich aus Navigation und Timer ableitet, als „persönliches Bordinstrument“ und „intelligentes Instrument“. Mit ihm konnte man u.a. multiplizieren, dividieren, daneben Durchschnittswerte, Treibstoffverbrauch, durchschnittlichen Höhengewinn, Distanzen beim Aufsteigen und Landen errechnen sowie Kilometer in See- oder Landmeilen umwandeln und umgekehrt. Die am Steuerknüppel umständliche und auch gefährliche Verwendung von Papier und Bleistift wurde damit weitgehend obsolet.

Intelligentes für Profis

Kein Wunder, dass der „Navitimer“ 1954 zur offiziellen Fliegeruhr der 1939 gegründeten internationalen Vereinigung von Flugzeugeigentümern und Piloten (AOPA) avancierte. In eben jenen 1950er-Jahren belieferte Breitling das US-amerikanische Militär, Flugzeughersteller wie Convair, Douglas, Lockheed oder Vickers sowie internationale Fluggesellschaften wie beispielsweise Air France, American Airlines, British Overseas Airline Corp. (B.O.A.C), Japan Airlines, KLM, TAP Portugal oder United Airlines. Über die Jahre hinweg entwickelte Breitling beinahe unzählige Versionen des „Navitimer“.

Den gegenwärtig offerierten „Navitimer Rattrapante“ mit 45 Millimetern Gehäusedurchmesser beseelt das hauseigene Automatikkaliber B03. Dank seines innovativen Schleppzeiger-Mechanismus lassen sich Zwischenzeiten nehmen oder zwei gleichzeitig beginnende Ereignisse stoppen. Natürlich besitzt die Schale einen Sichtboden zum Betrachten des Innenlebens.

Der Preis der Breitling Navitimer Rattrapante mit Automatikkaliber liegt bei circa 10.390 Euro.

Weitere Armbanduhren-Klassiker sind hier zu finden 

Außerden unter diesem Link.

 

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