Anonimo Nautilo 42 mm und Anonimo Nautilo Vintage
Anonimo heißt keineswegs anonym

Mit den beiden neuen Taucheruhr-Modellen erweitert Anonimo seine sportive Armbanduhrenlinie, deren Erstehung bis in Jahr 2006 zurückreicht

Anonimo heißt keineswegs anonym

Anonimo Nautilo Vintage, Referenz AM-5019.06.103.I12

Kunst, Kultur und Uhrmacherei an den Ufern des Arno

Wenn sich die Dinge um Uhren aus Florenz drehen, fällt Kennern spontan der Name Panerai ein. Bekanntlich reicht die Geschichte des Familienunternehmens zurück bis 1860  Am Anfang standen u.a. Präzisionsinstrumente für die Nautik. Die zusammen mit Rolex entwickelte „Radiomir“, eine wasserdichte Armbanduhr für italienische Kampftaucher, verknüpft sich mit dem Jahr 1936. Historisch Interessierte werden sich an Giovanni de Dondi und seine komplizierte Planetenuhr aus dem 14. Jahrhundert erinnern. Im gleichen Jahrhundert begründete Lorenzo della Volpaia eine ganze Dynastie von Handwerkern, welche sich mit Zeitmessung und astronomischen Instrumenten beschäftigte. Und dann gab es in Florenz ja auch noch Leonardo da Vinci und Galileo Galilei. Beide beeinflussten durch ihre grundlegenden Arbeiten die Uhrmacherei ganz entscheidend.

Zurück zu Panerai: Auf Geheiß der Behörden übernahm 1972, nach dem Tod von Giuseppe Panerai, der Marineoffizier und Industrieingenieur Dino Zei das Ruder. Unter seiner Führung entstanden weiterhin Instrumente für militärische Zwecke. Als der diesbezügliche Bedarf mit Ende des Kalten Kriegs einbrach, offerierte Panerai seinen tickenden Marine-Klassiker „Luminor“ im freien Verkauf. Weil sich der Erfolg nicht zuletzt auch wegen der opulenten Schale in engen Grenzen hielt, endeten die  Aktivitäten in den 1990-er Jahren. Doch dies musste glücklicherweise nicht das Ende sein, denn im Jahr 1997 übernahm der neue Eigentümer Richemont.

Im militärischen Umfeld besitzt Zeit eine absolute Priorität. Das militärische Leben ist immer von der Zeit bestimmt.  Militärische Aktivitäten sind immer irgendwie programmiert und werden wahrscheinlich im Rahmen bestimmter zeitlicher Vorgaben ausgeführt. Nicht damit Vertraute werden die penible Einhaltung als manisch empfinden. Aber das ist unerlässlich für komplexe Aktivitäten, wie sie militärische nun einmal sind. Bei ihnen hängt der Erfolg am ordnungsgemäßen Ablauf verzahnter Aktionen. Daher muss sich die Uhr nicht nur am Handgelenk trainierter Personen befinden, sondern auch in deren Kopf. Sie muss die Aktionen instinktiv inspirieren und kontrollieren.

Dino Zei

Buchautor, Industrieingenieur und ehemaliger Marineoffizier

Auf zu neuen Ufern

Der Verkauf hinterließ in Florenz einige kompetente Gehäuse-Spezialisten. Über Jahre hinweg hatten sie die Konstruktion und Produktion gleichermaßen robuster wie markanter Uhrenschalen mit professionellem Anspruch verantwortet. Das  Kompetenzspektrum umfasste Fräsen bei Raumtemperatur aus vollem Material, nicht jedoch das kostengünstigere Stanzen.

Der Spezialist Gianluca Gervasi nahe Florenz produzierte Gehäuse für Panerai

Vor der Übernahme durch Richemont produzierte Gianluca Gervasi nahe Florenz die Gehäuse für Panerai. Danach war der Spezialist für Anonimo tätig.

Diese anerkannten, in letzter Konsequenz bis 1939 zurückreichenden Fertigkeiten sollten nach dem Verkauf von Panerai natürlich nicht verloren gehen. In Federico Massacesi fand sich schon 1997 ein Investor mit Verständnis für die Leistungsfähigkeit des verbliebenen Teams. Der Italiener hatte jahrelang für Salvatore Ferragamo gewirkt, verstand sich also bestens auf hochwertige Luxusgüter, zu denen naturgemäß auch edle Uhren gehören.

Aus der Tatsache, dass ambitionierte Handwerker und Kleinbetriebe in Florenz und benachbarten toskanischen Gemeinden über Jahrzehnte hinweg anonym und hintergründig für andere arbeiteten, leitete sich der ungewöhnliche Name „Anonimo“ für die von ihm gegründete Uhrenmarke ab. Deren Produkte stachen durch die Formensprache der weiterhin in Florenz gefertigten Gehäuse und signifikante Zifferblätter ins Auge. Die Zeit bewahrten Uhrwerke aus der Schweiz. Wiederum in der malerischen Toskana erfolgten dann wiederum die Montage und Reglage.

OM Militare Automatico, OM Chronoscopo Mark II Shelby, OM Chrono racing TP-ITA 572 Bang & Olufsen

OM-, sprich Opera Meccana-Armbanduhren aus den Anfangsjahren von Anonimo.  V.l.n.r.: OM Militare Automatico, OM Chronoscopo Mark II Shelby, OM Chrono racing TP-ITA 572 Bang & Olufsen

Erst für andere, dann für sich selbst

Von diesem Engagement profitierten anfangs primär externe Auftraggeber. Nach drei Jahren als Private Label Produzent fiel 2000 bei Anonimo die Entscheidung, mit der Uhrenlinie „Opera Meccana“ selbst ans Licht der Öffentlichkeit zu treten. Diese Aktivitäten fielen vor allem in Nord- und Lateinamerika auf fruchtbaren Boden.
Sponsoring-Aktivitäten unterstützten die Entwicklung der Marke. 2001, 2002 und 2003 kooperierte Anonimo unter anderem auch im Rahmen der „Pharao Rallye“ mit dem KTM Motorrad-Team. Ab 2004 gesellten sich dann weitere Segelregatten hinzu.

2005 erwärmte sich auch der deutsche Nationaltorhüter Oliver Kahn für die eindrucksvollen Zeitmesser aus italienischen Landen.
In den Jahren 2006 und 2007 wiederum nahm eine Anonimo-Yacht am „MED CUP“ teil. Dino Zei brachte dabei seine Erfahrungen ab 2004 ein. Ein Jahr später lieferten Mitglieder der bekannten italienischen Tauchervereinigung CNS ihren Input zur Gestaltung zuverlässiger Taucheruhren.

Nationaltorhüter Kahn mit seiner Anonimo Uhr

Bis 2011 entstanden 34 verschiedene Uhrenmodelle. Etliche davon fertigte Anonimo in unterschiedlichen Ausführungen.

Materialforschung groß geschrieben

Bei der Kreation von Armbanduhren gilt es unterschiedliche Aspekte zu berücksichtigen. Sie reichen von A wir Armband bis Z wie Zeiger und Zifferblatt. Irgendwo in der Mitte findet sich das Material. Und das spielte bei Anonimo wegen des historischen Hintergrunds eine wichtige Rolle. Edelmetalle wie Gold oder Platin passten nicht zur Marken- und Produktphilosophie. Dafür aber Edelstahl AISI 316 L – X2CrNiMo17122 mit besonderer Korrosionsbeständigkeit. Des Weiteren gehört Anonimo zu den Pionieren des Bronze-Zeitalters in der Gehäusefertigung. Die verwendete Marine-Bronze UNI 5275, bekannt auch als Aluminium Bronze, widersteht mechanischem Stress ebenso wie Korrosion. Dritter im Bunde ist Titan. Das Metall zeichnet sich durch Sicherheit, Leichtigkeit, Belastbarkeit und seine antiallergischen Eigenschaften aus. Somit eignet sich der Werkstoff ideal für den Kontakt mit Handgelenken, wo aggressiver Schweiß an der Tagesordnung ist. Überdies ist Titan ebenso wie Bronze unempfindlich gegen Magnetismus.

Das Modell Anonimo Millimetri

Gehäusekonstruktionen

Üblicher Weise bestehen die Gehäuse für Armbanduhren aus drei Komponenten: das tragende Mittelteil, der Glasrand und der Boden. Dieses bewährte Konstruktionsprinzip wendete Anonimo bei den meisten seiner Uhren an. Das gilt auch für die 1997 kreierte, ein Jahr später erstmals während der Uhrenmesse in Vicenza gezeigte und ab 2000 verkaufte „Millemetri“.
Diese Taucheruhr gehört zu den wenigen Exemplaren, die trotz ihrer dreiteiligen Schale eine garantierte Wasserdichte bis 100 atm Druck oder 1.000 Meter Tauchtiefe besitzen.

Am 9. Oktober 2002 stellte eine dieser Anonimo Armbanduhren ihre deutlich weiter reichenden Fähigkeiten vor der Küste Siziliens unter Beweis. Während des „Geostar“-Projekts konnten ihr 210 Atmosphären Druck nicht das Geringste anhaben. Diese positiven Erfahrungen bestätigten sich 2006 im Chinesischen Meer, wo sie Mitglieder der CNS begleitete.

Natürlich wusste Anonimo um die Bedeutung der Aufzugs- und Zeigerstellkrone. Die Suche nach einem zuverlässigen, geradezu „idiotensicheren“ System führte 2004 zur Genese der einzigartigen „Militare“. Der patentierte Kronenschutz funktioniert sozusagen automatisch. Wer die Uhr ans Handgelenk schnallt, verschließt die Schale zwangsläufig an dieser neuralgischen Stelle. Abgeleitet von einer Militär-Taschenuhr fanden sich die Krone und der bewegliche Bandanstoß mit integriertem Andruck-Dorn zunächst bei „12“.  Massacesi verlegte beides zur „6“.

Anonimo Militare

Neben der „Militare“ gehört das „Chronoscopio“ zu den besonders markanten Armbanduhren der sportiven Anonimo-Kollektion. Der Name weist unmissverständlich aber auch völlig korrekt auf die Zusatzfunktion hin. Gemeint ist das, was heute landläufig als Chronograph bezeichnet wird, tatsächlich aber ein Chronoskop ist.
Ein Flankenschutz für die Krone und signifikante Schrauben zur Befestigung der Lünette machten das kissenförmige, bis 20 Atmosphären wasserdichte 43,3-Millimeter-Gehäuse zum Hingucker.

Ein schönes Buch über Florenz und seine Uhren wie Uhrenmarken

Alles rund um die Uhrenmarke Anonimo und ihre Geschichte findet sich im zweisprachigen (italienisch und englisch) Buch von Dino Zei „Da Aonimo a Firenze Orologi“. Vom 2012 erschienenen Band wurden nur 800 Stück gedruckt. Im Internet findet man es noch für etwa 120 Euro.

Relaunch

Natürlich ging die schwere internationale Finanzkrise nach 2008 auch an Anonimo nicht spurlos vorbei. Deren Folgen und andere interne Probleme bedingten 2012 den Übergang an einen neuen Eigentümer. Der luxemburgische Milliardär Flavio Becca besitzt ebenfalls italienische Wurzeln und dazu ein ausgeprägtes Faible für hochwertige Armbanduhren. 

Der Uhrenmanager Aldo Magada

Somit startet Anonimo ab 2013 in einem neuen Schweizer Domizil kraftvoll durch. Unangetastet blieb dabei die traditionsreiche  Gehäuse-Expertise. Ferner zielt die Firmenphilosophie auf Bewahrung existenter Werte. Derzeit hat Aldo Magada (siehe Foto) bei Anonimo das Sagen. In seiner Eigenschaft als CEO hat er die „Nautilo“-Linie um neue Modelle erweitert. Die Biographie dieser  sportiven Armbanduhr reicht zurück bis 2006.

Damals hatte sich Dino Zei noch maßgeblich am Design beteiligt. 2015 brachte eine 44,4 Millimeter große Taucher-„Nautilo“ mit Bronzegehäuse, signifikant bei „4“ positionierter Schraubkrone und einseitig rastender Drehlünette. In der bis 20 bar wasserdichten Schale verbaut Anonimo das bewährte Automatikkaliber Sellita SW200-1.

Die Nautilo Linie des Jahres 2006

Entwicklung der sportiven Nautilo-Linie seit 2006. V.l.n.r.: Dino zei DZ Marinai d’Italia, OM Opera Meccana Nr. 1989 „Sailor Diver“ und die neue „Nautilo Vintage“

Anonimo Nautilo Bronze, 2015

Anonimo Nautilo Bronze, 2015

„Nautilo“ 2019

Besagtes Kaliber Sellita SW 200-1 beseelt auch die jüngste „Nautilo“-Generation. Zu ihr gehört einmal die kleinere Edelstahl-Variante mit 42 mm Gehäusedurchmesser und kratzfestem Keramik-Glasrand, der sich aus Sicherheitsgründen  nur entgegen dem Uhrzeigersinn verdrehen lässt. Speziell gestaltete Federstege gestatten den Wechsel des Armbands sozusagen im Handumdrehen. Neben einem Gliederband steht schwarzes Kalbsleder oder Kautschuk zur Wahl. Das Preisspektrum reicht von 2.190 bis 2.470 Euro.

Nautilo Vintage

An Dino Zei und seine Kreation erinnert die ebenfalls 42 mm messende „Nautilo Vintage“ in Edelstahl mit Keramik-Glasrand. Bei ihr stechen die mit einem Sonnenschliff versehenen Retrolook“-Zifferblätter ins Auge. Zur Wahl stehen Blau, Schokobraun und Anthrazit. Hinzu gesellt sich ein samtiges Silber. Die zugehörigen Lederbänder lässt Anonimo in Italien von Hand fertigen. Gleichfalls erhältlich ist diese Armbanduhr mit stählernem Gliederband. Das bis 20 bar wasserdichte Quartettkostet mit Lederband für 2.190 Euro. Mit Stahlband sind es 2.470 Euro.

Uhrenkosmos Modell-Steckbrief 

Hersteller Anonimo
Name Nautilo 42 Millimeter und Nautilo Vintage
Referenzen 42 mm: AM-5009.09.102, AM-5009.09.103, AM-5009.00.770                                                                            Vintage: AM-5019.06.103
Premiere November 2019
Uhrwerk Kaliber Sellita SW 200-1
Aufzug automatisch
Durchmesser 25,6 Millimeter
Bauhöhe 4,6 Millimeter
Gangautonomie ca. 38 Stunden
Unruhfrequenz vier Hertz
Anzeige Stunden, Minuten, Sekunden, Fensterdatum
Zusatzfunktionen keine
Gehäuse Edelstahl
Durchmesser 42 Millimeter
Höhe 11,8 Millimeter
Wasserdichte 20 bar
Armband Leder, Kautschuk oder Edelstahl (nur Modell 42 Millimeter)
Preis ca. 2.190 Euro (Leder, Kautschuk) bzw.
ca. 2.470 Euro (Gliederband)
Limitierung keine

 

 

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