Auch wenn man es angesichts einer feinen Manufaktur-Uhr wie der A. Lange & Söhne Langematik Sax-O-Mat es nicht glauben mag – bis zur legendären Wende besaß Glashütte auf dem Gebiet mechanischer Luxus-Armbanduhren jedoch tatsächlich den Status einer Diaspora. Zu sehr hatte man in knapp 50 Jahren auf kommunistische Massenware gesetzt. Die wenigen anspruchsvollen Modelle wie die GUB Spezimatic waren wiederum oft für den Export bestimmt. Und die Kader mit Zugang zu Westprodukten kauften sowieso Schweizer Qualitätsuhren.
Nach dem Fall der Mauer im Jahr 1989 ging es jedoch steil nach oben. Weniger bei den Stückzahlen, dafür jedoch in puncto Qualität und Ansehen. Mannesmann sei Dank, erlebte die hohe Zeitmess-Kunst auch in Deutschen Landen ihre Renaissance. Und am imposantesten im Uhrenmekka Glashütte, wo der Uhrmacher Adolph Lange ab 1845 mühevoll sein Handwerk etablierte.
Wie schon zur Gründer-Zeit zielte A. Lange & Söhne von Anbeginn konsequent auf die preisliche Ansiedlung seiner Uhren im Segment jenseits von 10.000 Mark, heute also 5.000 Euro. Der bemerkenswerte Erfolg resultierte freilich auch aus einer rigiden quantitativen Selbstbeschränkung. Weltweit existierten in den 1990er-Jahren ganz bewusst nur 48 Verkaufspunkte für die Jahresproduktion von 2.000 Armbanduhren, welche die rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Müglitztal mächtig herausforderten. Die Warteschlange für eine Vertriebslizenz war ergo fast so lange wie der Geduldsfaden beim Anstehen für eine neue Armbanduhr mit dieser Signatur. Günter Blümlein machte damals auch wenig Hoffnung auf Besserung.

Eine spürbare Produktionssteigerung wegen großer Nachfrage ist mittelfristig nicht vorgesehen, denn begehrt sind hauptsächlich rare, nicht unmittelbar verfügbare Produkte.
Günter Blümlein

Geschäftsführer, Lange Uhren GmbH

Um einen Trost war der Mit-Begründer und Geschäftsführer der Lange Uhren GmbH keinesfalls verlegen.

Kaiser Wilhelm konnte seine Lange Uhr auch erst ein Jahr nach der Bestellung entgegennehmen.

Günter Blümlein

Geschäftsführer Lange Uhren GmbH

1997 kehrte die sächsische Nobelmanufaktur nach 75-jähriger Pause in den Kreis der Automatik-Kaliber Fabrikanten zurück. Und zwar mit einem neuartigen Manufakturkaliber. Den Unterschied zu eidgenössischen Konstruktionen mit in die Werksebene integrierten Schwingmassen machte der so genannte Dreiviertelrotor des mechanischen „Perpetuum Nobile” namens A. Lange & Söhne Sax-O-Mat L921.x.

Sein Durchmesser liegt bei rund 75% des Werksdurchmessers. Das halbkreisförmige, 21-Karat-Goldgebilde mit äußerem Platinsegment benötigt ca. 1.500 Rotationen zum Aufbau der maximalen Gangreserve von 46 Stunden. Genutzt werden von der A. Lange & Söhne Langematik beide Drehrichtungen, wobei ein Zahnrad-Wechselgetriebe die Polarisierung besorgt. Den 2,5 Gramm schweren Rotor stützt ein zusätzliches Rubinlager. Zur Reibungsminderung haben die Uhrmacher dem Reduktionsgetriebe nicht weniger als drei Mikro-Kugellager zugestanden.

Das raffinierte Räderwerk der A. Lange & Söhne Langematik

Das gesamte Räderwerk des A. Lange & Söhne Langematik Automatik-Kalibers verfügt über 45 Steine. Die Lange-üblichen verschraubten Chatons fanden bei der geringen Bauhöhe von 3,8 mm samt Rotor keinen Platz. Der Clou des feinen Mikrokosmos mit drei Hertz Unruhfrequenz, und dafür steht das „O” im kurios anmutenden Zifferblattaufdruck „Sax-O-Mat“, zeigt sich beim Einstellen der Uhrzeit. Durch das Ziehen der Krone schnellt der kleine Sekundenzeiger -bewegt durch vorgespannte Federn- automatisch in seine Nullposition.